|
Tarock ist ein ursprünglich Mitte des 15.
Jahrhunderts entstandenes Kartenspiel. Eine Besonderheit
sind die 22 Motivkarten. Sie sind von I bis XXI durchnummeriert,
die Karte mit dem Motiv des Narren (Sküs o.ä. genannt)
hat keine Zahl angegeben. Heute ist Tarock besonders in
Österreich bekannt und wird hier in vielen Varianten gespielt.
Wegen der zahlreichen möglichen Regeln und Spielvarianten
muss sich jede Spielrunde auf die in ihrer Runde anzuwendenden
Regeln einigen. Eine enge Verbindung gibt es zwischen
dem Wiener Kaffeehaus und dem Tarock, was den Ruf eines
typisch österreichischen Kartenspiels sicher gegünstigt
hat.
Durch den besonderen Stellenwert des Tarockspiels
in Österreich ist es nicht verwunderlich, dass es hier
besonders häufig in der Literatur auftaucht. Aber auch
bei anderen Literaturgrößen, wie Goethe, Schiller, Musil,
Nestroy usw. findet das Tarockspiel Erwähnung. Nicht zuletzt,
weil viele von ihnen selbst begeisterte Tarockspieler
waren. Eine zentrale Rolle spielt das Tarock in Fritz
von Herzmanovksy-Orlandos Utopie "Das Maskenspiel der
Genien" mit dem Königreich "Tarockei" uns seinen abwechselnd
regierenden vier Königen und dem im Hintergrund herrschenden
Sküs. Auch in Friedrich Torbergs Werken (Tante Jolesch
u. a.) gibt es zahlreiche Anekdoten zum Tarock.
Deutlich häufiger trifft man in der Literatur
auf das Tarot, die Wahrsagerei mit diesen Karten. Obwohl
in diesen Kreisen gerne behauptet wird, das Kartenspiel
entstand aus diesen Wahrsagerkarten, ist es genau andersrum.
Erst etwa 350 Jahre nach dem ersten Auftaucher des Kartenspiels
wurden die Tarockkarten zum Wahrsagen benutzt. Besonders
häufig spielen Tarotkarten in der Horror- und Fantasyliteratur
eine Rolle. So spielt z.B. eine Pagatkarte (I) eine Rolle
in "Der Golem". Und natürlich sorgt der herrschende Esoterik-Boom
dafür, dass heute Tarot weitaus bekannter als Tarock ist.
Man gebe nur versuchsweise beide Begriffe in einer Internetsuchmaschine
seiner Wahl ein...
Standardwerke zur Geschichte des Tarock
sind das 1980 erschienene "The Game of Tarot" von Sir
Michael Dummett und für Österreich das sechsbändige "Tarocke.
Kulturgeschichte auf Kartenbildern" (5 Bänder 1996, 6.
Ergänzungsband 1999) von Klaus Reisinger. Nicht zuletzt
müßen hier auch die Bücher der berühmten Perlen-Reihe
erwähnt werden.
Der bedeutenste Hersteller von Tarockkarten
ist die österreichische Firma Ferd.
Piatnik & Söhne.
Von Alfred
Ohswald
|