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Gibt es für einen "Schokoholic" eine
größere Glückseeligkeit auf Erden, als in eine
Schokoladefabrik eingeladen zu werden, frage ich???
Dennoch werden meinem Bericht über die Buchpräsentation
in Bergl bzw. meiner Buchkritik zu "Schokolade, Die süßen
Seiten des Lebens" weder zartschmelzende Worte zu, noch edelbittere
Anmerkungen über das Luxusgut SCHOKOLADE vorangestellt, sondern
jene Eindrücke geschildert, die ich von meinem Besuch bei
Josef Zotter von selbigem machen konnte:
"Man muss sich sowieso jeden Tag neu erfinden.
Es nützt ja nichts. Doch die meisten Menschen haben zu viel
Angst, dass es irgendjemanden gibt, dem es nicht passen könnte
Es
gibt kein Patentrezept. Und für den Erfolg schon gar nicht
"
(Seite 138)

Ich hatte das große Vergnügen mich bei
der Präsentation Josef Zotters Erstlingswerkes "Schokolade,
die süßen Seiten des Lebens" (eingeladen vom Pichler
Verlag, inszeniert von der Firma Zotter und organisiert von Frau
Dr. Brunner) davon überzeugen zu können, ob obiger Satz
frei erfunden ist, oder ob Herr Zotter tatsächlich der überzeugte,
standfeste und begeisterungsfähige Meister seines Faches
ist, als der er schon bis dato hochgelobt und ausgezeichnet wurde.
Erfolgreich ist er, der Herr Josef Zotter, das ist
unbeschritten! Innovativ ist er auch und sinnlich muss er wohl
ebenso sein, denn als Chocolatier zaubert er süße Träume
aus dem Stoff der "Götterspeise"

Sein Auftritt ist dynamisch, seine Augen strahlen
vor Begeisterung und es umgibt ihn eine gewisse pulsierende Unruhe,
die zur Tat drängt. So habe ich am 6. September 2006 Herrn
Zotter kennen gelernt. Die spannungsgeladene Energie, die ihn
antreibt, färbt scheinbar automatisch auf sein Umfeld ab.
Herr Zotter wirkt bescheiden, Ruhm und Erfolg sind ihm offensichtlich
nicht zu Kopf gestiegen. Er ist ein Mann, der von seinen innovativen
Ideen lebt, aber die Lektion im Leben lernen musste, dass man
Ausdauer braucht, Glauben an sich selbst, um seine Mitmenschen
zu überzeugen. Diese Lebenseinstellung birgt so manches Risiko
in sich, auch hiervon kann er ein Liedchen singen, denn so mancher
Rückschlag hat ihn einzubremsen versucht.
Um 12:20 Uhr fuhren wir - Interessenten der Presse
- per Bus vom Albertina Platz, 1010 Wien über die Südautobahn
nach Riegersburg/Bergl. Der 6. September 2006 präsentierte
sich als strahlend schöner Spätsommertag, was die Freude
auf diesen Ausflug erhöhte. Den Bus zu finden, war zwar vorerst
nicht leicht, da der Bus keine Beschilderung erkennen ließ
und weil rund um den Albertina Platz alle 15 Minuten ein Touristenbus
nach dem anderen vorfährt, parkt und wieder abfährt,
aber mit einer kleinen Verspätung fanden sich (bis auf eine
Person) alle Interessenten ein. Der Fahrer zeichnete sich durch
Höflichkeit aus, die Fahrt war ruhig und angenehm und Frau
Dr. Brunner verwöhnte uns mit Getränken, die sie extra
in der Raststation Guntramsdorf kaufte, um sie uns gekühlt
überreichen zu können. Dies war eine Wohltat, trotz
klimatisierten Busses, da der Tag die 25°C Grenze zu überschreiten
drohte.
Wir fuhren an der Riegersburg vorbei und trafen um
ca. 15 Uhr in der Schokolade Manufaktur Zotter in Bergl ein. Während
einer kurzen Wartezeit auf Herrn Zotter höchstpersönlich
fiel mir auf, dass neben dem Fabriksgebäude ein neuer, großer
Zubau entsteht und, dass sich eine große Menschentraube
vor dem Eingang der Verkaufstelle befand. Erfreulich, Expansion
und Nachfrage scheinen hier tatsächlich Hand in Hand zu gehen!
Frau Zotter, mit Tochter im Arm, kam zuerst zur Begrüßung,
dann folgte Herr Zotter, der uns in die - er möge mir den
schnöden Begriff verzeihen - sonntäglich-ruhig anmutende
Fabrik bat. Ich nehme an, dass uns zu Ehren die Maschinen einen
Tag Pause machen durften, nicht so die Angestellten der Firma
Zotter, oder gar die Chefsleut'. Als wir durch die penibel sauberen
Hallen geführt wurden, wieselte es geschäftig um uns
herum. In der Produktionshalle wurde der Produktionstisch zur
langen Tafel umfunktioniert, auf der die Produktpalette von Zotters
"balleros" arrangiert war (17 verschiedene "ballero"
Sorten!).
Ich habe fünf Stück gekostet, als es nach
Herrn Zotters Ansprache und einer kurzen Laudatio von Seiten des
Pilcher Verlages, zur Verkostung ging. Nur 5, werden Sie, geneigter
Leser, ungläubig fragen, nur 5?!?! Ja, denn "Schokolade
isst man nicht. Man lässt sie langsam auf der Zunge zergehen
"
(Seite 113) und "Bei einer Schokoladen-Degustation sollte
man nicht zu viele Proben versuchen, weil der Gaumen schnell überfordert
ist
" (Seite 167). Ich ging dabei so vor, dass ich zuerst
2 "balleros" kostete, die mir wahrscheinlich von Haus
aus schmecken würden: Mandeln und Pistazien, dann 2, die
ich für gewagte Kreationen halte: Birne Kardamon und Sonnenblumen
mit Koriander, abschließend versuchte ich "Hot Caramel":
eine wahrlich vollendete Komposition aus Karamelstückchen,
gewälzt in Chilli, gerollt in Milchschokolade und umhüllt
von Kakaopulver. Süß aber scharf, zart schmelzend aber
mit festem Karamellkern! Die "Zimt Grammeln" ließ
ich als strikter Vegetarier gerne aus...
Herr Zotter präsentierte sich als Mann, der es
zwar gewohnt ist - oder besser, mittlerweile gewohnt ist - vor
Publikum zu sprechen, der aber weder seinen Humor noch seine Bodenständigkeit
eingebüßt hat. Er erzählte uns in kurzen Zügen
seine interessante Lebensgeschichte (nachzulesen in seinem Büchlein),
berichtete uns von seinen ersten Ideen bis hin zu seinen neuesten
Errungenschaften (Büchlein!), machte einen kurzen thematischen
Ausflug zum Ursprung der Schokolade, der Kakaobohne (Büchlein!!)
und schloss mit Dankesworten an den Pilcher Verlag und an alle
jene, die an der Entstehung seines Buches mitgewirkt haben. Die
heißersehnte Einladung zur Degustation folgte nach einer
Ansprache des Verlagsdirektors des Pilcher Verlags.

Schokoladelikör und Schokoladegeist wurden uns
sodann angeboten: der Likör ist zwar gut, ein Verkaufsschlager
wird er aber, glaube ich, nicht. Der Schokoladegeist entzog sich
meiner Beurteilung, oder besser ich entzog mich seines alkoholischen
Einflusses, da ich "Schnaps" prinzipiell nicht trinke.
Frau Zotter ließ uns Brötchen reichen und
versorgte uns mit Getränken (z.B.: erstklassiger Wein, antialkoholische
Getränke, Wasser etc.). Man hatte all jene Rezepte nachgekocht,
die Sepp Zotter für sein Buch kreiert hat. Herr Zotter meinte,
dass es der Hilfe des GUSTO-Teams bedurfte, um aus Zotters Visionen
praktikable Rezepte zu schaffen. Auch hier ließ ich mir
von allen Köstlichkeiten jeweils nur ein kleines Häppchen
geben, z.B.: die Schokoladetorte mit Chilli und Ingwer (siehe
Rezept Seite 66,67) - interessant, aber nicht scharf genug - Schokotorte
mit Kardamon und Himbeeren (siehe Rezept Seite 68,69) - naja -
oder Weißes Schokolademousse (siehe Rezept Seite 86,87)
genial gut!
Aus einem Schokoladebrunnen floss Schokolade, das
Running-Chocolate wartete nur darauf erobert zu werden - Schlaraffenland
ich komme
und doch verspürte ich keinen Heißhunger
auf die Naschereien, vielleicht weil sie in einem derartigen Überfluss
vorhanden waren?! Das Running-Chocolate muss man sich tatsächlich
wie Running-Sushi vorstellen: auf kleinen Tellern gleiten (in
5mm Würfel geschnittene) Zotterschokoladen (hinter jedem
Teller befindet sich die dazugehörige Banderole) vorbei.
Man braucht lediglich ein Stückchen zu nehmen und auf der
Zunge zergehen lassen! Und diese Auswahl, dieses Sortiment! Wahrscheinlich
könnte Herr Zotter auch aus stinkenden Socken eine wohlmundende
Schokolade kreieren

Was mir äußerst positiv auffiel, war
die Tatsache, dass wir Presseleute uns nicht nur gänzlich
frei und ungehindert in der Manufaktur herumtreiben konnten, wir
bekamen auch ein kleines Presse-Kit inklusive: das Buch "Schokolade,
Die süßen Seiten des Lebens", einen Folder mit
CD (Photos von Zotter Produkten), eine Übersichtsmappe aller
zur Zeit gängigen Sorten (79 Schokoladesorten!!!!), und zwei
Zotterschokoladen.
Das einzige was mir jetzt noch zu meinem Glück
fehlte, war Josef Zotters Buch von ihm signieren zu lassen. Als
mir der Maestro über den Weg lief, fragte ich ihn, ob er
so nett wäre mir ein Autogramm zu geben, ein Ansinnen, das
ihn fast verwunderte: "Wer? Ich??" Noch während
er mir meinen Wunsch erfüllte, fanden sich plötzlich
weitere Mitglieder unserer Gruppe ein, die ebenfalls um ein Autogramm
baten. Herr Zotter genoss es zwar sichtlich so umringt zu sein,
dennoch wirkte er fast ein wenig ungläubig ("Wer? Ich??").
Um 17:40 Uhr verließen wir äußerst
zufrieden, verwöhnt und sicherlich wohlwollend, in Bezug
auf die diversen Rezensionen, die gastliche Stätte und traten
den Heimweg an.

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle
an den Pilcher Verlag, der diese Veranstaltung wohl erst ermöglichte,
ein herzliches Dankeschön an Frau Dr. Brunner für die
aufmerksame Einladung und fabelhafte Betreuung während der
Präsentation und meine Hochachtung an Herrn Zotter, der mich
sowohl mittels seiner Produkte, wie auch durch seine Einstellung
zu Fair Trade und Bioerzeugnissen absolut überzeugen konnte.
Von Christel
Schweitzer am 12. 9. 2006
PS: Während ich diesen Bericht geschrieben
habe, hat mir eine Zotterschokolade "Kokos mit Rum"
kurz, aber innig Gesellschaft geleistet
Verzeihung, Maestro,
aber mit der Mäßigung klappt's noch nicht so ganz...
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