|
Die Buchpräsentation, zu der der Verlag Ueberreuter
am 16. September 2004 in das Oratorium der Österreichischen
Nationalbibliothek geladen hatte, kann ich gleich vorweg als organisatorisch
absolut gelungen bezeichnen. Ich nehme an, daß dies sowohl
Herrn Dr. Fritz Panzer, als auch Frau Kofler zu verdanken ist:
Der Saal war geräumig, gut ausgeleuchtet, die
Akustik, bis zu den letzten Plätzen sehr gut, die Platzwahl
war frei, niemand mußte stehen, wenngleich der Saal bis
auf den letzten Platz voll war. Die Einleitungsworte des Herrn
Dr. Fritz Panzer waren knapp und prägnant. Er erklärte,
der Verlag Ueberreuter könne sehr froh sein, das Werk Dr.
Sedlaczeks vermarkten zu dürfen, da man ja mit Sachbüchern
ähnlicher Art (über diverse Regionalsprachen in Österreich)
bisher einen sehr schönen Erfolg erzielt hat und nun dieses
Werk den, obgenannten Bogen über all jene Sprachbücher
zu spannen, prädestiniert ist. Dr. Fritz Panzers Rede klang
herzlich und rief Interesse für Dr. Sedlaczeks Buch hervor.
Dr. Sedlaczek bediente sich bei der Lesung eines modernen
Mediums, der Power Point Präsentation via Computer, eine
Idee, die sehr gut ankam. Sie hob hervor, was sonst vieler umständliche
Erläuterungen bedurft hätte. Das illustrierte Handbuch
Dr. Sedlaczeks ist eben kein "Lesebuch", es ist ein
Nachschlagewerk und als solches für eine Lesung ein wenig
spröde. Mittels Power Point Präsentation dokumentierte
der Autor, anhand einiger ausgewählter Beispiele, den Unterschied
des österreichischen zum deutschen Deutsch wertfrei und sehr
anschaulich. Er schilderte auch ausführlich die Hintergründe
der Entstehung diverser Sprachunterschiede, z.B., daß man
in Deutschland umgangssprachlich, wenn von vergangenen Begebenheiten
erzählt wird, stets das "Imperfekt benutzt", in
des Österreichers Ohr klingt dies aber äußerst
übertrieben und gekünstelt, weshalb statt dessen das
"Perfekt benützt" wird, und daß dieser Unterschied
seine Wurzeln im Mittelalter hat...

Die Präsentation war kurzweilig, sehr interessant,
der Autor sprach frei und ungehemmt. Am Anschluß eröffnete
Dr. Sedlaczek eine Publikumsdiskussion. Es hatte wohl eher im
Sinne, daß sich diese in Richtung "Alte contra neue
Rechtschreibung" entwickeln würde. Daß dem nicht
so war, bedaure ich fast ein wenig, denn nach der Wortmeldung
einer deutschen Dame, heizte sich die Stimmung auf. Abgesehen,
von wenigen, interessanten Beispielen über die "Ver-Norddeutschung"
des Österreichischen, durch Werbung und die Medien, aber
auch durch die Kunst, waren leider die restlichen Wortmeldungen
von einem schwer zu unterdrückendem Provinzialismus geprägt.
Das Selbstbewußtsein der Österreicher (gegenüber
ihrer Sprache) zu stärken, war er ausgeritten der "edle
Ritter Dr. Sedlaczek", doch zeichnete sich in der Diskussion
ab, daß es den Österreichern, die Österreich gerne
als den "armen, kleinen, im Weltgeschehen vernachlässigten
Bruder" von Deutschland darstellen, offensichtlich nicht
daran mangelnde. Ein wenig, wie "wadelbeißende Kleinhunde"
wirkten die Kommentare mancher Gäste aus dem Publikum gegenüber
dem unumstößlichen Faktum, daß das deutsche Deutsch
nun mal von 10-mal so vielen Menschen verwendet wird, und demnach
die internationale Gewichtung eine andere ist.
Ich habe fünf Jahre lang eine deutsche Auslandsschule
in Lagos/WAN besucht und litt als einzige Österreicherin
in dieser Klasse enorm unter der verbalen Verballhornung meiner
Sprache durch meine Schulkollegen. Mein aus Berlin stammender
Deutschlehrer warf mir äußerst sensibel "Ausdrucksschwäche!!!!"
vor. Ich habe aber schnell erkennen müssen, daß damals
Anpassung der beste Weg für ein reibungsloses Schuldasein
meinerseits darstellte. So schnell, wie ich allerdings fehlerfreies
Deutschdeutsch lernte (und kurioserweise als Österreicherin,
die beste Deutschabiturarbeit der Klasse schrieb), so schnell
verlor ich diese Ausdrucksweise wieder, als ich zurück in
Wien war.
Fazit: ich schöpfe aus einem größeren
Vokabular, als viele Österreicher und verwende ganz gezielt
entweder das österreichische oder das deutsche Idiom.
Das primäre Anliegen Dr. Sedlaczeks Buches soll
das Verständnis und dadurch die Akzeptanz der eigenen Sprache
sein, nicht die Diffamierung des Deutschdeutschen!
Mit anschließendem Buffet, das keine Wünsche
offen ließ, war der Ausklang ebenso niveauvoll gelungen,
wie die Präsentation selbst. Ich darf mich an dieser Stelle
noch einmal bei den Organisatoren des Verlages Ueberreuter für
den schönen, kurzweiligen, nein hochinteressanten Abend bedanken.
Von Christel Schweitzer am 27. 9. 2004
|