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Peter Goßens
We do it to have fun together


Von Volker Frick

  Kennen Sie Stuttgart? Das Gefängnis? Was für ein Gefängnis? Kennen Sie Beckett? Seine Fernsehproduktionen? Was für Fernsehproduktionen? Alle Fragen offen. Beckett also. Vorab nur dieses: im vergangenen Jahr fand in Wien, ja ja in Wien nicht in Stuttgart, eine Ausstellung statt. „Bruce Naumann Samuel Beckett“. War ganz schön. Der Katalog ist im Buchhandel erhältlich. Bruce Naumann? Nee, nicht Ex-Kulturstaatsminister, ein Künstler, und ein Buch von Michel Houellebecq ziert sich mit einem Bild von ihm. Nein, kein Porträt von ihm, das Abbild eines seiner Werke. Ach ja, du hast recht. Also während der Ausstellung sprach Raymond Federman, wie wer?, Raymond Federman, dieser Nudelromanschreiber, der immer dieselbe Geschichte durchnudelt, also, der hat ja auch die erste, hör’ zu, die erste massgebliche Bibliographie vor vielen Jahren geschrieben. Wie wozu? Zum Werk Becketts. Was? Ach so, dieser Federman sprach über das Glück bei Beckett, während dieser Ausstellung. Wie während der ganzen Ausstellung? Nee, ein Vortrag, da werden Koryphäen eingeladen, die halten Vorträge. Glück bei Beckett. Was schön war, war die Darstellung der Rezeption der Literaturkritiker, also der frühzeitigen Wahrnehmung dieses späteren Literaturnobelpreisträgers. Federman sagte schwuppdiwupp war da die Schublade. Ja warte, ich bin doch dabei, ich sag’s ja: Schwarzmalerei. Da wären wir also bei der Kunst. Na sicher ist Literatur eine Kunst, also wenn du nicht den ganzen Müll liest, den ganzen Dreck dir im Fernsehen anschaust, also wenn du ruhig in deinem Kokon schwingst, die Sonne scheint auf nichts neues, na, dann ist Stuttgart die Hölle. Oder Nichts. Was alles ist.
  Versäumen Sie in Stuttgart nicht,
  sich die lange Neckarstrasse anzusehen.
  Der Anreiz des Nichts ist dort nicht mehr das,
  was er einmal war, weil man eben
  den sehr starken Verdacht hat,
  längst mitten darin zu sein.
  Und mittendrin ist die Beobachtungsgabe kritisch. Ja klar, ein Gedicht von Beckett, nee, nicht im Original, obwohl, er hat auch sehr schöne Dinge in unserer Sprache hinterlassen. Ja, du hast recht, also Stuttgart. Er war da. Er war ja auch in Berlin, wo er inszeniert hat, am Schiller. Du stellst Fragen, Theater. In Kassel war er ja auch, Familienangehörige, ja doch, ein Onkel, und seine Kusine Peggy. Aber die Familienbande liess diese Liebe nicht zu, schön dargestellt in „Das letzte Band“, wie das Boot in der Ostsee schaukelt. Na ja, also Kassel, und weil’s die documenta nicht gab, ist er gereist. Dresden und München zum Beispiel, zu sehen, was dann nicht mehr zu sehen. Weil dann entartete Kunst. Ja klar in den Dreissigern. Und weisst du, während des letztjährigen Symposiums in Berlin, „Beckett 2000“, da sprach James Knowlson zum Thema „Beckett und die alten Meister“. Ja klar, aber es ist doch augenscheinlich, der Einsatz des Lichtes bei allem was er tat, inszenierte, mit welchem Medium auch immer. Theater, oder der Film „Film“ mit dem 70jährigem Buster Keaton, oder eben die Sachen in Stuttgart, Fernsehspiele. Wie alles ist Spiel? Blödsinn. Also das erste Fernsehspiel welches Beckett mit dem SDR gemacht hat war „He, Joe“, und das wurde dann am 13.4.1966, seinem 60sten Geburtstag, gesendet. Zehn Jahre später war er wieder da und sie haben „Geister-Trio“ und „...nur noch Gewölk...“ für das Fernsehen produziert. Wie komischer Titel? Ach so, das mit dem Gewölk, na das ist eine der Schlusszeilen aus dem Gedicht „The Tower“ von William B. Yeats. Die beiden gingen dann im November 1977 über den Sender. Und am 13.4.1981, es war, richtig, sein 75ster Geburtstag, begannen die Proben zu „Quadrat“, und Beckett meinte „Just the right day to come to Stuttgart and to work!“ Die Proben wurden abgebrochen, zwei Monate später wieder aufgenommen, und da haben sie gleich noch eine Schwarz-Weiss-Fassung gedreht: „Quadrat II“, und zwischen beiden ist eine kleine Pause von, nach Beckett, „hunderttausend Jahren“. Und fünf Jahre später wurde dann noch „Was wo“ fertiggestellt und zusammen mit den fünf bisherigen Produktionen an seinem, ja genau, an seinem 80sten Geburtstag ausgestrahlt. Sein heisst wahrgenommen werden. Ja, würde ich auch gerne mal sehen. Wenn Beckett schon sagt „We do it to have fun together.“

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