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dtv-Atlas Weltgeschichte 1
Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution

dtv
2000
305 Seiten
€ 10,-


Von Alfred Ohswald am 07.02.2001

  Allein das dieses Standardwerk schon seine 34. Auflage erlebt, zeigt seine Bedeutung für alle geschichtlich interessierten Leser. Es ist auch eines der am häufigsten empfohlenen Bücher von Historikern, wenn jemand ein Nachschlagwerk dieser Art sucht. Die darin gebotenen Informationen stellen den aktuellen Stand der Wissenschaft dar und sind auch sorgfältig auf ihre Richtigkeit überprüft.
  Es wird immer links eine Karte zu der jeweils behandelten Zeit dargestellt und auf der rechten Seite findet sich eine Chronik, die aber auch etwas thematisch geordnet ist. So werden natürlich parallele Geschichtsabläufe verschiedener Kulturen jeweils bei dieser Kultur dargestellt und nötigenfalls mit Querverweisen auf die Seite mit den dazu gehörende Inhalten verwiesen. Das kleine, kompakte Format zwang die Herausgeber zu einer sehr kleinen Schrifttype. Dadurch sind die zwei Bände überaus handlich und sehr kostengünstig. Sollte jemand aber große Probleme mit kleiner Schrift haben, ist er mit einem großformatigeren Historischen Atlas besser bedient. Diese beiden Bände sind als handliche Nachschlagwerke konzipiert und konzentrieren sich ausschließlich auf das zur Verfügung stellen von möglichst vielen Daten in kompaktester Form. Außer dem nötigen, ausführlichen Register finden sich auch folgerichtig keine Anhänge oder ähnliches.

Von Helder Yurén am 30.09.2007

  Eine Millionen-Auflage muss nicht immer sensationell und grell mit Medienblitz und -donner daherkommen und Aufmerksamkeit erzwingen. Sie kann auch ganz leise, sozusagen schleichend auflaufen. Ein Beispiel dieses Typs ist der 'dtv-Atlas zur Weltgeschichte', von dem in viereinhalb Dezennien und zig Auflagen weit über zwei Millionen Exmplare gedruckt und verkauf wurden.
  Die Proportionen dieser Weltgeschichte in der Grobpeilung nach Seitenzahlen beschönigen nichts. Mit 10 von 600 Seiten wird die Ur- und Frühgeschichte abgefertigt, mit 20 Seiten die sogenannten Hochkulturen, davon bleiben 4 (buchstäblich: vier) Seiten für das Alte Ägypten übrig. Europa aber ist mit 450 Seiten vertreten, dreimal so stark wie 'der Rest der Welt'.
  Nach dem Verständnis der Verfasser hieß das: "Die bisher noch immer übliche europabezogene Sicht der Geschichte wurde durch universalhistorische Aspekte erweitert." Kurz: Die primitive perspektivische Verkleinerung des räumlich und zeitlich Fernen bei entsprechender Vergrößerung des geographisch und historisch Nahen ist das Markenzeichen dieser Weltgeschichte.
  Das Heimatkundliche, das Altbewährte zeigt sich nicht nur in den Proportionen, auch sonst trifft man auf längst Vertrautes, zum Beispiel in Terminologie und Periodisierung. "Altertum - Mittelalter - Neuzeit", höhnte Spengler at his best vor 85 Jahren, "das ist das unglaubwürdig dürftige und sinnlose Schema."´Es ist anzunehmen, dass sich das Verdikt Spenglers und anderer schon herumgesprochen hatte. Im Vorwort des dtv-Atlas steht jedenfalls vorsorglich: "Bei der Auswahl der Fakten haben wir uns nicht von einem bestimmten Geschichtsbild leiten lassen, sondern wollten versuchen, einen möglichst objektiven Überblick zu geben."
  Ganz objektiv: Es ist beim Versuch geblieben. Die Herren Verfasser üben nach altem Brauch den Dreisprung durch die Weltgeschichte. Die irrationale Vorliebe für die magische Dreizahl, die Ordnung und Übersicht nur vortäuscht, beherrscht diese Weltgeschichte und macht aus ihr ein Spiegelkabinett der Triaden. Die Autoren des dtv-Atlas haben die unwissenschaftliche Periodisierung nicht erfunden, sondern unkritisch durchgereicht.
  Im Titel 'Atlas' und im Untertitel 'Karten' kündigt sich der nächste wunde Punkt dieser Weltgeschichte bereits an: die Fixierung auf Karten. Damit ist die einseitige Darstellung der Geschichte als Herrschaftsgeschichte programmiert.
  Klar, um zu ahnen, was Alexanders Pferd geleistet hat, sieht man am besten auf eine Karte des Nahen und Mittleren Ostens, die seinen Weg nachzeichnet. Und einen Begriff von der Lage, Größe und Beschaffenheit eines Landes vermittelt eine Karte allemal anschaulicher, genauer und schneller als viele Worte.
  Doch gemach! So wenig ein Beobachter an der Silberbahn des Satelliten erkennt, was das Ding gekostet hat und mit welchen technischen Finessen es ausgestattet ist, so wenig verrät eine historische Karte über die gesellschaftlichen und technischen Implikationen eines Eroberungszugs."... und chronologischer Abriss", dieses Wort im Untertitel könnte nicht treffender bezeichnen, was der 'dtv-Atlas' außer Karten bieten möchte und tatsächlich bietet: den mit Daten, vor allem Namen und Zahlen überfrachteten Zeitfaden, der an der schwächsten Stelle, dem Nullpunkt, reißt. (Die westliche Zeitrechnung entstand, als die Null noch unbekannt war.)

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