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Hans-Peter Beck-Bornholdt/Hans-Herrmann Dubben
Der Hund, der Eier legt
Erkennen von Fehlinformation durch Querdenken

Rowohlt
1998
256 Seiten
DM 16,90


Von Bruno Hopp am 23.01.2001

  Die beiden Autoren bieten mit diesem wirklich anregenden Taschenbuch manch tiefen Einblick in den Umgang mit Statistik. Statistische Information wird heute in (fast) allen wissenschaftlichen Bereichen verwendet. Was denn da im scheinbar ehrenwerten Gewand der mathematischen Abstraktheit angeboten wird, ist manchmal allerdings alles andere als lustig.
  So geht es in lockerer Sprache zu den Grundlagen dessen, was in der Statistik "Normalverteilung" heisst. Statistik für Kuchenesser ist das Kapitel genannt und bietet leicht
 verständlich gute Einblicke, was Kaffeebohnen über ziemlich abstrakte Dinge erzählen können. Ziemlich lebensnah geht es schon im nächsten Kapitel zum Thema: BSE, Rinderwahnsinn und Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Was die Mediziner hierzu beitragen
 ist auch in der gegenwärtigen Hype rund um BSE sehr aktuell - die Rolle der Schafe (wg. Scrapie) ist tatsächlich lange verharmlost worden... Infektionswege und Übertragungswege herauszufinden war noch selten eine einfache Aufgabe.
  BSE ist allerdings nur ein Beispiel von vielen - im Vordergrund steht der Umgang mit statistischer Information. "Mit der Schrotflinte im Porzellanladen" ist denn auch ihr nächstes Kapitel bezeichnet. Mehrfachtests und Wiederholbarkeit von Ergebnissen ist in vielen
 Wissensbereichen ein heute leider sehr unterbelichtetes Gebiet geworden - die Gründe werden auch besprochen. Im nächsten Kapitel geht es um Forschungsarbeiten aus der Krebsforschung: in Darstellungen von Meßwerten wurden die Achsen mal bei 100% dann wieder bei 90% oder noch anderen Werten abgebildet. Dass solche Abbildungen nicht zu
 vergleichen sind und dann doch verglichen werden, ist traurige Wahrheit!
  Was sind Zufälle, wann ist ein Ereignis kein Zufall mehr? Dies ist eine Grundfrage aller statistischer Arbeit.
 
 Kurz zum Titel des Buches:
  Es liegen zehn Dinge auf einem Tisch: sieben Würste und drei Eier (=30%) Nun kommt ein Hund ins Zimmer, frißt fünf Würste - mehr schafft er absolut nicht. Übrig bleiben: zwei Würste und drei Eier, also fünf Dinge. Nun haben die gleichen drei Eier aber 60% Anteil an der Gesamtheit. Logisch. Daraus zu schließen, daß mit dem Verschwinden des vollgefressenen Hundes die Eier sich vermehrt hätten oder dass Hunde Eier legen könnten
 ist natürlich Unsinn. Nur: genau diese verquere Logik mit dem prozentualen Anteil findet Anwendung in vielen wissenschaftlichen Arbeiten!
  Die Grundaussage ist klar: die Autoren wollen den kritischen Blick schärfen. Auch als "Laie" darf man sich nicht von selbsternannten Experten verschaukeln lassen! Ich fand das Buch unterhaltsam, es ist ohne jedes mathematische Wissen locker zu lesen. Wer also eine lange Reise vor sich hat oder einfach verstehen möchte was man mit Statistik so alles treiben könnte, hier ist es leicht verständlich dargestellt. Ich könnte es mir auch prima als Schullektüre in Sozialkunde oder Mathematik vorstellen (ich schätze mal Klassen 9 bis 12 etwa). Also: meine volle Empfehlung!

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