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Michael K. Iwoleit
Wege ins Licht
(2000)

SF-Fan


Von Alfred Ohswald am 10.01.2001

  Ein einsamer Mann schleppt sich durch eine öde Landschaft. Fast jeden Tag stirbt er und fast jedes mal wird er von seinen Viren wieder zu Leben erweckt. Er ist auf dem Weg in die Stadt Armaghaust, die im Delta des Styx liegt. Als er dort ankommt, findet er eine im Sterben begriffene Stadt vor, in der sich auch zahlreiche vom selben unsterblich machenden Virus befallene Menschen befinden, wie er einer ist. Diese Wiederbelebungen fordern ihr Tribut, jedes Mal passieren kleine Abweichungen, so das eine immer schlimmer werdende Entstellung zu bemerken ist.
  Einst lebte als Flüchtling, vor dem alles verschlingenden Meer von einer der umliegenden Inseln in die Stadt gekommen, in diesem Armaghaust. Damals verhungerten zahllos der Flüchtlinge, die von überall her in die Stadt drängten und ihre Kapazitäten schnell überforderten. Selbst militärisches Eingreifen konnte den Massen nicht mehr beikommen. Und dann tauchten die Schwarzen Brigaden auf. Grausam, todesverachtend und unbesiegbar hatten sie dort Erfolg wo alle bisher gescheitert waren. Selbst die größten Menschmassen konnten sie beim abschlachten der Menschen nicht aufhalten. Doch ihre Unsterblichkeit, durch menschlichen Erfindungsreichtum geschaffen, schien, entgegen den Vorstellungen der Mächtigen, ansteckend zu sein. Nach einem riesigen Gemetzel begannen am nächsten Tag viele Tote sich wieder zu regen...
  Jetzt beginnt noch ein größeres Chaos auszubrechen. Immer fürchterlichere Vernichtungswaffen werden ohne Erfolg eingesetzt. Unsterbliche ziehen durch die Stadt und wüten unter den Bewohnern. Schließlich geht man dazu über, die infizierten massenweise in riesigen Öfen zu verbrennen. Auch er war unter diesen Menschen. Und der Rauch weht mit dem Russ in die Wüste hinaus...
  Nun war er zurückgekehrt, und als er seinen Henker, der ihn damals ins Feuer gestoßen hatte, begegnet. Als er sieht, dass er als einer der Wenigen nicht angesteckt ist, wird er von einem unwiderstehlichen Rachedurst überwältigt. Und diese Rache wird für eine Zeit sein wichtigster Lebensinhalt. Zwischendurch lebt er meist vor sich hin, nur manchmal von verschiedenen Aktivitäten unterbrochen. Eines Tages nimmt seine Rache eine unerwartete Wendung.
 
  Die wohl düsterste Zukunftsvision, die mir jemals unter die Augen gekommen ist. J. G. Ballards Katastrophenszenarien sind dagegen die reinsten Paradiese. Und Iwoleit schafft mit seinem Erzählstil die passende, dunkle und grenzenlos hoffnungslose Atmosphäre, die zu einer Welt passt, in der das Sterben die größte Hoffnung der letzten Menschen ist.
  Diese Erzählung gehört für mich zweifellos zu den Besten im SF-Genre. Selten wurde ich beim Lesen derart intensiv gepackt und in eine fremde Welt hineingezogen. Am ehesten erinnerte ich mich dabei an das Schicksal des Paters auf Hyperion im gleichnamigen Roman von Dan Simmons.
  Da die Erzählung kostenlos bei www.sf-fan.de runtergeladen werden kann, sollte dem Lesegenuss eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

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