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H. G. Wells
Die Insel des Dr. Moreau
(The Island of Doctor Moreau, 1885)

dtv
1996
188 Seiten
DM 12,90


Von Alfred Ohswald am 07.01.2001

  Nach dem Untergang des Schiffs Lady Vain wird Edward Prendick als einziger Überlebender von einem anderen Schiff in einem Rettungsboot gefunden. Sein Retter ist ein Arzt namens Montgomery, der mit einem außergewöhnlich hässlichen Diener und einigen in Käfigen gehaltenen Tieren auf dem Weg zu einer abgelegenen Insel ist. Streitigkeiten mit dem ständig betrunkenen Kapitän sorgen dafür, dass auch Prendick auf dieser Insel landet. Auf der Insel erwartet ein gewisser Dr. Moreau auf Montgomery und seine Fracht, und nach anfänglicher Ablehnung, ist er dann doch bereit, Prendick als Gast aufzunehmen.
  Bald bemerkt Pendrick, dass Moreau sich mit ungewöhnlichen Experimenten beschäftigt. Und nach einigen Zufällen und Missverständnissen stößt er auf der Insel auf die Ergebnisse dieser Experimente. Durch kunstvolle, chirurgische Eingriffe, schaffte Moreau aus verschiedenen Tieren menschenähnliche Mischwesen mit begrenzter Intelligenz. Doch diese Operation wirkte nicht nachhaltig, und im Laufe der Zeit fallen diese Wesen immer stärker in die tierischen Verhaltensweisen zurück. Dadurch befinden sich die drei menschlichen Bewohner der Insel in einer prekären Situation, und obwohl Moreau streng und grausam über die Tiermenschen herrscht, leben sie unter dieser ständigen Bedrohung.
  Als eines Tages ein gerade von Moreau bearbeiteter Panther flieht, wird der Doktor bei der Verfolgung getötet. Sein Gehilfe Montgomery betrinkt sich übermäßig und gibt auch den Tiermenschen Alkohol und ist am nächsten Tag ebenfalls tot. Jetzt muss Prendick versuchen, auf der Insel voll mit den jetzt nicht mehr folgsamen Tiermenschen zurechtzukommen.
 
  Wells, der die seiner Zeit eigenen, kritiklosen Technikgläubigkeit im Gegensatz zu Jules Verne immer schon kritischer gegenüberstand, wollte mit diesem Roman auch gegen die gerade aufkommenden Tierversuche protestieren. Er benutzt dabei eine der häufigsten figuren in der phantastischen Literatur, den z.B. im 1818 erschienen Frankenstein-Roman Mary Shelleys oder in der noch älteren Golem-Geschichte, am bekanntest aber wohl Goethes „Faust“ immer wieder benutzten „mad scientist“. Die Thematik der durch Wissenschaftler vorgenommene Eingriff in die Natur durch Manipulationen an Tieren ist natürlich in Zeiten der Gen-Forschung wieder besonders aktuell, was die jüngste Verfilmung des Buches auch ausnutzt.
  Neben seiner Bedeutung als Klassiker ist „Die Insel des Dr. Moreau“ aber in erster Linie eine spannende, interessante Geschichte die auch hervorragend erzählt wird. Stil und Protagonisten lassen sehr gut das besondere Flair der viktorianischen Zeit entstehen, ohne die dabei bei manchen Schriftstellern aufkommende Weitschweifigkeit. Wells schreibt in einem angenehm kompakten Stil und schafft komplexe Charaktere auch ohne endlose Dialoge und niedergeschriebene Gedanken über ihre seelische Befindlichkeit.

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