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A. L. Kennedy
Gleissendes Glück

Wagenbach
2000
187 Seiten
DM 34,-


Von Claudine Borries am 02.01.2001

  A.L.Kennedy, Jahrgang 1965, gilt in Großbritannien lange als herausragende Schriftstellerin. In Kulturzeit 3 SAT hochgelobt, ist dieses doch eines der merkwürdigsten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe.
 
  Helen Brindle ist mit einem scheinbar anormal veranlagten Mann verheiratet: er neigt zu brutalen Ausschweifungen in der Liebe. Sie spricht mit Gott, von dem sie sich einen Liebhaber wünscht. In Gestalt des Professors Edward E. Gluck begegnet ihr auf einem Psychologenkongress ein Mann, zu dem sie sich hingezogen fühlt, von dem sie aber in erster Linie Hilfe in ihrer Lebenslage erwartet. In sonderlichen, mir etwas künstlich anmutenden Gesprächen, nähern sie sich einander an. Es bleibt eine zarte und nicht zu nahe Beziehung, bis er ihr in einem nächtlichen Telefongespräch beichtet, daß nur pornographische Bilder in ihm Reaktionen auszulösen vermögen. Er fühlt sich schuldig, sagt, daß er nicht in der Lage sei, ihr zu helfen. Man ahnt jedoch, daß er Hilfe von ihr erwartet.
  Sie besucht ihn in London, wohnt auch bei ihm. Es ereignet sich dann eine Annäherung, die unnatürlich wirkt. Sie geht wieder zurück zu ihrem Mann. Als dieser eine der Postkarten von Edward E. Gluck an sie bei ihr entdeckt, geht er voll Wut auf sie zu und schlägt sie zusammen. Sie landet mit einem Schädelbruch im Krankenhaus.
  Am Ende genesen, kehrt sie zu Gluck zurück, und es gelingt den beiden, zu einer befriedigenden Erfüllung miteinander zu finden.
 
  So weit so gut. Der Inhalt mutet fast banal an. Die Schreibweise ist gekonnt, mal deutlicher, mal mehr verhalten den Inhalt bearbeitend.
  Was soll das Ziel der ganzen Geschichte sein? Ist es die Banalität des Bösen, die hier Gestalt angenommen hat? Man könnte es so verstehen. Unter der Oberfläche der nach außen in Erscheinung tretenden Normalität lauert das Grauen, die Perversion, die Abgründe des menschlichen Daseins in Form von verborgenen Phantasien, die das Grauen heraufbeschwören. Ja, so kann das Leben auch sein.
  Ein Vergnügen war es für mich nicht, dieses Buch zu lesen.

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