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Samuel Beckett
Eleuthéria

Suhrkamp
1996
143 Seiten
DM 42,-


Von Volker Frick am 13.12.2000

  ‚Verlag veröffentlicht Becketts missratenen Bühnen-Erstling’ hiess es im vergangenen Jahr in einer Provinzzeitung. Der amerikanische und der französische Verleger lagen im Clinch, ob das denn nun gegen Becketts erklärten Willen sei. Nun, beide veröffentlichten das 1947 entstandene Theaterstück, welches als Manuskript zusammen mit ‚En attendant Godot’ seinerzeit von seiner Frau Suzanne Deschevaus-Dumesnil zu Roger Blin ins Théâtre Babylon getragen wurde. Dieser entschied sich für ‚Godot’ – weniger Schauspieler, also weniger Kosten, da kleines Theater. Wie’s so geht.
  ‚Éleuthéria’ ist ein Stück in drei Akten, mit 18 Schauspielern, wenn man den Auftritt des Souffleurs, wenn man den Auftritt des Zuschauers, und wenn man den Auftritt eines chinesischen Folterknechts, der von letzterem auf die Bühne geholt wird, um unseren Protagonisten Victor Krap zum reden zu bringen, mitrechnet.
  Nun, da ist die Familie Krap solcherart: „Henri kann nicht mehr pissen. Victor darf man nicht erwähnen, und bei Ihnen senkt sich der Unterleib.“ Und ein Arzt namens Piouk (engl. Puke=Kotze), der die Schwester von Madame Krap geheiratet, darüber hinaus aber kein Fachgebiet hat. „Das heißt... Ihn interessiert die Menschheit.“
  Monsieur Krap stirbt. Er hatte sich noch von seinem Diener küssen lassen, diesem dann gesagt „Sie sind etwas devot, Jacques.“ Monsieur Krap war Schriftsteller. „Welches Genre? – Ich begreife nicht ganz. – Ich spreche von Ihrer Arbeit. Welchem Genre galt Ihre Vorliebe? – Dem Genre Scheiße.“ Da ist Madame Meck (franz. mec=Zuhälter), eine Freundin der Familie, ihr Chauffeur Thomas. Und die liebenswerte Olga Skunk, Verlobte von Victor. „Dann legt er sich hin, den mageren Rücken der Menschheit zugewandt.“
 
  In der nur quantitativ beeindruckenden Biographie von Deirdre Bair schreibt diese, ‚Eleuthéria’ „ist so ganz anders als die anderen Stücke, so atypisch für alles, wofür Beckett im Bereich des Theaters steht, dass er nie seine Einwilligung zur Veröffentlichung gab.“ Ganz ähnlich – nach Bair – Adam Tarr, Herausgeber einer Theaterzeitschrift in Warschau und Übersetzer einiger Stücke von Beckett ins Polnische: „Warum verbrennst du es nicht, wenn du nicht willst, dass irgend jemand anders es zu Gesicht bekommt?“ Die Antwort ist uns erspart geblieben... ein frühes Theaterstück, ein früher Roman, früher oder später. Sie haben es in der Hand, wenn Sie wollen, wenn Sie noch wollen können, falls Sie können, plädiere ich für ‚Eleuthéria’, dann Rolle vorwärts und nicht vergessen: den DREAM.

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