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Jan Konst
Der Wintergarten
Eine deutsche Familie im langen 20. Jahrhundert
(De Wintertuin – Een Duitse familie in de lange twintigste eeuw, 2018)

Europa Verlag
2019
Übersetzt von Marlene Müller-Haas
368 Seiten
ISBN-13: 978-3958902589
€ 22,-


Von Alfred Ohswald am 25.05.2019

  „Der Wintergarten“ erzählt eine deutsche Familiengeschichte, die der Autor nicht zuletzt durch die Erzählungen ihrer Schwiegermutter erfahren hat. Es beginnt mit Emil Grunewald, der im Jahr der Gründung des Deutschen Reichs 1871 geboren wurde. Dem Großvater der Schwiegermutter des Autors. Darum ist diese Familiengeschichte auch eine Geschichte der Gesellschaft von und der Lebensumstände in Deutschland. Die Geschichte des zukünftigen Lehrers Emil basiert auf seinen eigenen in einem Schulheft mit 19 Jahren akribisch niedergeschriebenen Erinnerungen. Es folgen die Hochzeit mit seiner Frau Hedwig Paul ihm Jahr 1900 und die Geburten der beiden Töchter Hanna und Hilde bald darauf. Den 1. Weltkrieg dient Emil in Russland, teilweise in der Etappe bis er 1916 ehrenvoll entlassen wird.
  Die Tochter Hilde heiratet 1930 ihren Helmut Oemmigen und Hanna ihren Hanns Reinhard. Wobei letztere bald dazu neigen über ihre Verhältnisse zu leben. Aber, um es abzukürzen, in der Folge geht es hauptsächlich um Hildes Leben, die Geburt ihrer Kinder in der Nazi-Zeit und deren Lebensweg, ihr Schicksal in der DDR, den Mauerfall und die Demokratie bis zu Hildes Tod 2001. Sie ist schließlich die Schwiegermutter und Hauptquelle des Autors.
 
  Das Buch ist kein Familienroman im klassischen Sinn, vielmehr beschreibt der Autor die Familienschicksale an Hand der ihn zur Verfügung stehenden schriftlichen und mündlichen Quellen aus seiner persönlichen Sicht. So gesehen ist es Erzähltechnisch wohl mehr ein Sachbuch. Teilweise verhindert das auch das nähere Kennenlernen der beschriebenen Familienmitglieder, da das natürlich nur durch literarische Mittel in der Fiktion möglich wäre. „Der Wintergarten“ steht also ganz und gar nicht in der Tradition von „Die Buddenbrooks“ und Co. obwohl es nahe liegen würde.
  Manchmal springt Konst auch in Szenen in seinem eigen Leben zurück, etwa kurz zum Transport der Herrenzimmermöbel von Emil in seine Wohnung. Jan Konst ist Literaturwissenschaftler und darum wirkt dieses Stilmittel ungewöhnlich, da man es in seiner Quellen- und Sachbezogenheit eher von einem Historiker erwarten würde. Andererseits wären die hier abgedruckten Familienfotos in einem Roman wohl deplatziert. Um ein passendes Bild der jeweiligen Zeit zeichnen zu können, beschreibt Konst immer wieder Details, wie etwa die Aussteuer der zukünftigen Braut oder – häufiger – Kleidung oder die Ausstattungen und Möbel der damaligen Wohnungen ober Häuser und er kommentiert auch oft Details und Besonderheiten auf Familienfotos. Auch die Entwicklung der jeweiligen Wohnorte und auch Aspekte deutscher Geschichte, soweit sie die Familie betrafen.

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