Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Ian Caldwell
Das geheime Evangelium
(The Fifth Gospel, 2015)

Aufbau
2017
Übersetzt von Wolfgang Thon
560 Seiten
ISBN-13: 978-3746633503
€ 9,99


Von Alfred Ohswald am 03.04.2019

  Im Vatikan wird ein Priester ermordet aufgefunden, der eine Ausstellung geplant hatte, in dem das Turiner Grabtuch und eine antike Version des Evangeliums ausgestellt werden sollte. Der Ermordete war geradezu besessen von dem Vorhaben, die Radio-Carbon-Datierung des Grabtuches ins Mittelalter zu widerlegen und seine Authentizität zu beweisen. Er hoffte, das mit dem alten Evangelium zu können.
  Der griechisch-katholische Priester Alexander – sie können heiraten, weshalb er einen Sohn namens Peter hat – findet den Toten zusammen mit seinem Bruder Simon, der wiederum ein normaler, katholischer Priester ist. Es wird in die Wohnung von Alex und dem Ermordeten eingebrochen und offensichtlich etwas gesucht aber nicht gefunden. Alex sieht sich gezwungen, mit seinem Sohn bewacht in ein Gästehaus des Vatikans zu ziehen. Natürlich beginnt er Nachforschungen anzustellen.
 
  Vatikan-Thriller sind ja im Allgemeinen recht beliebt und erfolgreich und wer sich für das Leben im Vatikan interessiert, ist bei Ian Caldwell an der richtigen Adresse. Der in der Ich-Form erzählte Roman spielt zur Zeit von Johannes Paul II. und beschäftigt sich zentral auch um die Spannungen zwischen Katholiken und Orthodoxen.
  Im Roman wird der These gefolgt, das Turiner Grabtuch wäre doch echt und die wissenschaftliche Datierung irgendwie verfälscht, was ein wenig in Richtung Verschwörungstheorie teils ultrakonservativer Katholiken geht. Aber es ist ja schließlich ein Roman und kein Sachbuch. Die relativ ausführlichen Beschreibungen aus dem Vatikan sind zugleich Stärke und Schwäche des Romans, Letzteres weil es mitunter Hauptverantwortlich für manche Langatmigkeit verantwortlich ist.
  Dem Roman könnte man vielleicht eben diese gewisse Langatmigkeit vorwerfen, er braucht immer wieder weite Strecken, um in die Gänge zu kommen. Da wäre einiges Kürzungspotential vorhanden gewesen. Die Leser sollten sich also an einer eher tempoarmen Erzählweise nicht allzu sehr stören.
  Der Hintergrund ist hier nicht ein großer Skandal, sondern eher Details der katholischen Glaubenslehre. Dazu passt auch, dass alle Beteiligten tiefgläubige Menschen sind und nicht etwa von Glaubenskrisen geplagt werden. Ebenso auffällig sind die ausgeprägten Hierarchien im Vatikan die mehr an den Hof Louis XIV. erinnern, als an auch nur einigermaßen moderne Demokratien.
  Ein Thriller perfekt für treue, katholische Leser also, gegen Ende dann aber etwas gar kitschig.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.