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Un-su Kim
Die Plotter
(The Plotters, 2010)

Europa Verlag
2018
Übersetzt von Rainer Schmidt
360 Seiten
ISBN-13: 978-3958902329
€ 24,-


Von Hans Durrer am 10.03.2019

  Der Auftakt dieses Thrillers ist grandios, meditativ, ja, Zen-mässig. Höchst präsent legt der Profikiller auf sein Opfer an und schiesst dann doch nicht. Weil es nicht der richtige Augenblick war? „Er wusste nicht warum, aber er wollte nicht.“
 
  Wir wissen generell nicht, weshalb wir tun, was wir tun – die Erklärungen, die unser Hirn uns im Nachhinein für unser Verhalten liefert, zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass wir sie verstehen. Ob sie auch wahr sind, ist eine ganz andere Frage.
 
  Raeseng, der hoch reflektierte Profikiller (schon in ganz jungen Jahren beschäftigte er sich mit Homers 'Epen') und Protagonist von „Die Plotter“, wurde als Kind von Old Raccoon, dem Kopf der Organisation „Library of Dogs, aufgenommen und an einem geheimen Ort, einer Bibliothek aus exakt zwanzigtausend Büchern in Seoul aufgezogen und zu einem Killer ausgebildet – er gehört zur Killer-Elite Koreas.
 
  Die Gedanken, die sich der Autor über Sterben und Tod macht, haben es in sich.
  „Meiner Meinung nach sollte ein Mann in der Lage sein, einen Tod zu wählen, der seinem Leben ein würdevolles Ende gibt.“
  „In zwei Stunden wäre er nichts als Staub. Wenn man Staub ist, kann man sich an nichts mehr klammern.“
 
  Plotter erteilen Mordbefehle, doch sie selber kriegen diese Befehle wiederum von anderen, die sie nicht kennen. Als ein Killer namens Chu einen ihm zugewiesenen Mord nicht ausführt, wird er gejagt und umgebracht. Als Raeseng einen Auftrag vermasselt, rückt er selbst an die erste Stelle der Todesliste. Er taucht unter, wird Fabrikarbeiter und verliebt sich in eine Fabrikarbeiterin.
 
  Er kehrt wieder zurück zu Old Raccoon und damit auch zu dessen Konkurrenten Hanja. Wollte einer der beiden ihn umbringen? Vor allem Hanja, so scheint ihm, hatte einen Grund. Doch wer ist wirklich hinter ihm her? Und was für eine Rolle spielt die schielende Bibliothekarin, die sagt: „Männer wie Old Raccoon halten jede Frau für ein Dummerchen. Vor allem, wenn die Frau schielt.“ Alle hatten sie eine Geschichte.
 
  Der Einfluss der Plotter gerät ins Wanken. Eine neue Generation beginnt, ihre eigenes tödliches Netzwerk aufzubauen. Es kommt zu einem ersten blutigen, hervorragend geschildertem Showdown in einem Frisiersalon. Und dann zu einem ebenso blutigen zweiten und einem dritten ...
 
  „Die Plotter“ ist clever konstruiert, spannend erzählt, es geht um Macht und um Politik und dreht sich um Grundsätzliches. „Die Welt ist so, weil wir kleinlaut sind. Weil Leute wie du es für richtig halten, sich der Apathie zu ergeben, weil sie glauben, nichts, was sie tun, könnte irgendetwas ändern.“ Und: „Die Menschen verbergen ihre wahren Beweggründe sogar vor sich selbst“, sagte er. „Und sie müssen falsche Beweggründe erfinden, um sich weiter etwas vorzumachen.“ Un-su Kim hat seinen Dostojewski gelesen. Und ihn gut zur Anwendung gebracht.

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