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Ephraim Kishon
Hausapotheke für Gesunde
(1988)

Ullstein
1997
Übersetzt von Friedrich Torberg, Gerhard Bronner und Ephraim Kishon
279 Seiten
DM 12,90


Von Johann F. Janka am 11.12.2000

 “Es gibt nichts Frustrierenderes, als das richtige Medikament endlich gefunden zu haben – ohne die passende Krankheit dazu.” Griechischer Unsinn, 300 v. Chr.
 
  ………mit diesen Zeilen beginnt Kishon dieses Buch über gesunde Ärzte und kranke Kassen, eingebildete Kranke und andere Geschichten, wie zum Beispiel diese, wenn sich Menschen, die man zwar, vielleicht sogar schon lange, kennt, aber kaum mehr Kontakt hat als zu grüßen, wenn man sie trifft, plötzlich derartig herzlich um einen kümmern, nur weil man zur Zeit gerade an einer Krankheit leidet, welche sich herumgesprochen hat. Und diese Fürsorge sofort wieder beenden, nachdem sich eine gewisse Besserung eingestellt hat. Kishon bringt uns die Erfahrung näher, dass sich die anderen umso besser fühlen je schlechter es einem geht. Dies erinnert mich frappant an die amerikanische Begrüßungsfloskel „How are you?“ (wie geht es Ihnen?), wobei darauf zu achten wäre, dass es aber niemanden wirklich interessiert wie es einem geht und dass vor allem keine andere Antwort darauf erwünscht ist, als „Fine, thank you and how are you?“ (vielen Dank, sehr gut(!) und wie geht es selbst?) und schon ist man einander wieder vorüber oder spricht von anderen Themen.
 
  Kishon, in Begleitung “der besten aller Ehefrauen”, besucht einen Konzertabend, welcher, durch beider Hustenreiz, ein kulturell-medizinisches Ereignis der besonderen Art wird. Kishon greift auch, wenn auch in etwas abgeänderter Form, alte Sprichwörter wie “Kranke Mensche werden Brüder” auf, wenn er einen Dialog zwischen einem kranken Dieb und einem an der gleichen Krankheit leidenden Opfer zum Besten gibt. Diese tauschen dann Erfahrungen über die gemeinsame Krankheit sowie zu deren Bekämpfung gut geeigneter Medikamente aus. Oder der wirklich köstliche Dialog über die unmittelbar bevorstehende Narkose zwischen Chirurg und Patient. In diesem Buch streift Kishon, natürlich auf seine humorvolle Art, unter anderem noch weitere Begriffe wie: niedrigen Blutdruck, Insomnia musicalis, kalorienreiche Hungerkuren, Nikotin, Alkohol, Gruppensex, Schuhfetischismus, Freude mit Freud, Kleptomanie, Senilität, Parapsychologie, schlaflose Narkosen, Stress und hohen Blutdruck sowie andere populäre Alterserscheinungen.
 
  Zu diesem Werk ist zu sagen, dass, wie nicht anders erwartet, Kishon wie immer auf seine so typische, ironisch-sarkastischen Art sich selbst und andere Menschen beobachtet und dies in seinen Geschichten festhält. Ob Kishon immer wieder die schärfsten Speisen, welche er aber keineswegs verträgt, in einem ungarischen Restaurant bestellt, nur um zu versuchen, den überheblichen Besitzer des Lokales von seiner (nicht vorhandenen) Fähigkeit, scharf zu essen zu überzeugen, oder wenn er besonders beeindruckend seine Teilnahme an einer Seance und den Ausgang derselben schildert. Egal über welches Thema sich Kishon hermacht, er versteht es wie kaum ein anderer, ganz banale, oder aber auch ausgefallene, Alltagssituationen derart „humorvoll - komisch – ja, sogar spannend“ zu erzählen, um damit den Leser zum Lachen zu bringen, was medizinisch erwiesen noch immer eines der besten Heilmittel ist. Ephraim Kishons „Hausapotheke für Gesunde“- niveauvoller, ironischer und sarkastischer Humor vom Feinsten. Sehr empfehlenswert.

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