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Elke Schmitter
Frau Sartoris

Berlin Verlag
2000
158 Seiten
DM 36,-


Von Claudine Borries am 30.11.2000

  In Ich-Erzählform beschreibt eine einfache Frau, eben jene Frau Sartoris, Stationen ihres Lebens. Dem Textstil und der Erzählform kann man entnehmen, dass es sich um eine Begebenheit handelt, die in kürzlich vergangener oder sogar in der jetzigen Zeit spielt.
  Beschrieben wird die traurige Erfahrung von Frau Sartoris' erster Liebe mit einem Mann, der sie nach kurzer Affäre aus Standesgründen nicht heiratet. Es bleibt offen, ob für ihn die Beziehung von Beginn an nur als passagere Erfahrung aufgefasst wurde, oder ob möglicherweise seine Familie, die dem Geldadel angehört, eine solche Heirat als unopportun ansieht. Die Täuschung gegenüber dieser Frau ist echt, da der Mann, Philip, ihr viel von seinem unglücklichen Leben, seiner Familie, erzählt hat. So musste sie den Eindruck gewinnen, dass er Heimat und Geborgenheit bei ihr gesucht und gefunden hatte. Als er die Beziehung abrupt und unvorhergesehen beendet, ist sie tief geschockt. Sie hatte früher schon hochfliegende Pläne mit einem Studium oder Schauspielunterricht begraben.
  Schließlich heiratet sie einen überaus durchschnittlichen Menschen, zu dessen Mutter sie sich besonders hingezogen fühlt. Sucht auch sie nur häusliche Geborgenheit und Versorgung? Sie arbeitet, bekommt eine Tochter, hat zu niemandem eine echte innere Beziehung und nimmt ein langweiliges, im Gleichmaß erstickendes Leben mit Vereinsabenden, Kegeln und anderen Mittelmäßigkeiten auf sich.
  Dann erlebt sie ein intensives Aufleben ihrer verloren gegangenen Gefühle: sie verliebt sich und glaubt fest, dass sie mit diesem Mann noch eine Wende in ihr Leben bringen könnte. Sie verführt mit immer neuen Methoden ihren Liebhaber, der ganz willenlos hingerissen scheint,-- aber natürlich Frau und Kinder hat! ---und betrügt ihren Mann, lügt, -- und plant intensiv ihren Ausstieg mit ihrem Liebhaber aus ihrem bisherigen Leben.
  Am Ende wird nichts daraus,-- er entpuppt sich als steter Liebhaber von kleineren oder größeren Abenteuern, ist dafür schon stadtbekannt. Stillschweigend wird sein Verhalten von der eigenen Frau geduldet, und er denkt nicht im Traum daran, sein gesichertes Leben im Kreise seiner Familie aufzugeben. Schließlich versackt alles im Mittelmaß.
  Die Ehe von Frau Sartoris ist noch um ein gutes Stück leerer geworden, -- alles verläuft in einem totlangweiligen, eingefahrenen Trott. Schlussendlich erfährt Frau Sartoris, daß ihre Tochter einem üblen Macher aus der Halbwelt zum Opfer gefallen ist, indem sie diesem hörig ist und zu üblen Sexpraktiken angehalten wird. Verzweifelt ergibt sich ein Augenblick, eine Sekunde nur, in der Frau Sartoris die Gelegenheit sieht, diesen wie einen Zuhälter sich gebärdenden Mann, der er vielleicht auch ist, an einer Ampel zu Tode zu fahren.
 
  Es ist dieses mittelmäßige Milieu, die Langeweile, das Gleichmaß, der tiefe Abgrund, der sich zwischen Menschen auftut, gleichzeitig die zunichte gewordenen Hoffnungen und Träume der jungen Jahre, die diesen Roman bemerkenswert machen. Es scheint ganz so, dass das wahre Leben in dieser Form ablaufen kann. In gewisser Weise erinnert die trostlose, hoffnungslose Geschichte an Romane von Stewart O'Nan, der z. B. in der "Speedqueen" das Abgründige gleichzeitig mit den auch in diesen Milieus vorhandenen menschlichen Regungen zu beschreiben vermag .

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