Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
John Irving
Rettungsversuch für Piggy Sneed
Sechs Erzählungen und ein Essay
(Trying to save Piggy Sneed, 1995)

Diogenes
1995
Übersetzt von Dirk van Gunsteren
207 Seiten
DM 14,90


amazon.de

 

 

Von Alfred Ohswald am 29.11.2000

  Diese sechs Erzählungen, oder teilweise eher Kurzgeschichten Irvings sind in jeder Beziehung ziemlich verschiedenartig. In keiner, vielleicht mit Ausnahme von „Innenräume“, erreicht Irving den Witz, Charme und seine für ihm sonst typische, eindringliche Emotionalität in seinen besseren Romanen. Die Geschichten sind deshalb nicht übel, aber von Irving ist der Leser anderes gewohnt.
 
  Die Erste, „Rettungsversuch für Piggy Sneed“ (Trying to Piggy Sneed, 1982) handelt von den Reaktionen eines Kindes und später jugendlichen zukünftigen Schriftstellers auf eine geistig geistig zurückgebliebenen Mann.
  In „Innenräume“ (Interior Space, 1981) geht es um die Erlebnisse eines Urologen im Beruf und mit einem bei einem Hauskauf miterworbenen, großen Kastanienbaums. Dem Verkäufer hatten sie versprochen, dafür zu sorgen, dass der Baum trotz Protesten des Nachbarn unversehrt stehen bleibt. Als er im Herbst seine tennisballgroßen und sehr harten Früchte auf ihr Dach trommeln lässt und bei ihrem Nachbarn des gleiche passiert, wird dieses bedenkenlos gegebene Versprechen ein Problem. Diese Erzählung erfüllt wohl am ehesten die Erwartungen von Irving-Fans. Der gewohnte Witz durch absurde Situationen aber auch die gleichzeitig vorhandene Tragöde und die unscharfe Grenze dazwischen kommen hier deutlich zum Tragen.
  Von einem Fahrer mit seinem geliebten Volvo auf den Strassen Amerikas wird in „Fast schon Iowa“ (Almost in Iowa, 1973) erzählt. Dabei registriert er besorgt den „Gesundheitszustand“ seines alten Gefährts.
  Minna arbeitet in einer Küche eines Mädchencollege und führt ein geruhsames Leben in „Miss Barrtt ist müde“ (Weary Kingdom, 1968). Als sie eine gutaussehende Kollegin bekommt, wird es in der kleinen Welt etwas unruhiger.
  In „Brennbars Fluch“ (Brennbar’s Rant, 1974) lässt Irving seine Protagonisten über die Diskriminierung von Pickelträgern räsonieren.
  Nach der Trennung von seiner Frau merkt Fred in „Fremde Träume“ (Other People’s Dreams, 1982) plötzlich, dass er die Träume anderer Menschen träumt. Das macht ihm aber das Leben nicht unbedingt einfacher. Nach „Innenräume“ wohl die für Irving typischste Geschichte in dem Buch.
  Den Abschluss macht das Essay „Charles Dickens – der König des Romans (The King of the Novel, 1986) in dem sich Irving in erster Linie mit dem Roman „Große Erwartungen“ auseinandersetzt. Dabei lässt er keinen Zweifel an seiner Bewunderung für Dickens.

Von Johann F. Janka am 25.11.2000

  Diese sechs Kurzgeschichten von John Irving geben dem Leser Gewissheit, dass hier ein Meister seines Faches am Werk ist. Charaktere mit so kurzen Worten dem Leser derart nahe zu bringen und gleichzeitig Situationen in so wenigen Sätzen zu schaffen zeichnet den Autor aus. Vor allem die Erzählung mit dem Titel "Innenräume", welche Irving sehr humorvoll mit seiner typischen, nicht fehlen zu dürfenden, Prise Ironie würzt, bietet einen Vorgeschmack auf seine Werke. Empfehlenswert für Einsteiger!

 

 

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.