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Luca D'Andrea
Das Böse, es bleibt
(Lissy)

DVA
2018
Übersetzt von Susanne Van Volxem und Olaf Roth
432 Seiten
ISBN-13: 978-3421048066
€ 15,-


Von Hans Durrer am 01.04.2018

  Der 1979 in Bozen geborene Luca D'Andrea hat mit seinem Erstling „Der Tod so kalt“ einen Bestseller gelandet, weshalb denn auch sein deutscher Verlag, die in München angesiedelte Deutsche Verlags-Anstalt, seinen Nachfolger, „Das Böse, es bleibt“, mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren auf den Markt bringt, zusammen mit einer eindrücklichen Werbekampagne, die unter anderem eine breite Leseprobenstreuung in ICE-Zügen sowie eine grosse Lesereise beinhaltet. Mit anderen Worten: Der Verlag verspricht sich Einiges von diesem Titel. Ob zu Recht, wird sich weisen, doch die Voraussetzungen sind gut, denn Luca D'Andrea ist auch mit seinem zweiten Thriller ein gut gemachter, spannender Page-Turner gelungen.
 
 Worum geht es?
  Die 22jährige Marlene, verheiratet mit dem skrupellosen und brutalen Gangster Robert Wegener, 42, macht sich eines Nachts auf und davon, mit einem Beutel Saphiren („Zusammengepresster Kohlenstoff, der durch eine Laune der Natur dunkelblau funkelte.“) im Gepäck, den sie ihrem Mann entwendet hat. Im Schneegestöber verliert sie die Kontrolle über den Wagen und stürzt in eine Schlucht. Der Bergbauer Simon Keller rettet sie und flickt sie zusammen. Dann hat Keller einen Unfall, jetzt ist es an Marlene ihn zu pflegen. Dabei erfährt sie immer mehr von seinem Leben, seiner Vergangenheit und was es mit einem seiner Schweine auf sich hat.
 
  Die geklauten Saphire sollten Marlene ein neues Leben mit Klaus ermöglichen, doch sie gehörten nicht Wegener, sondern dem Konsortium und dieses will sie zurück, um jeden Preis. Ein vom Anwalt des Konsortiums beauftragter Berufskiller (eigenartigerweise „Der Mann des Vertrauens“ genannt) setzt sich mit Wegener in Verbindung, will mit ihm einen Pakt schliessen, von dem er nicht zurücktreten kann – er willigt ein. Ein Krimi-Klassiker-Schema: Der Leser weiss, dass Wegener diesen Pakt schon bald bereuen und ihn rückgängig machen will.
 
  Die Geschichte spielt in Südtirol, in den 1970ern, was dem Autor erlaubt, Wegeners Vergangenheit während der Nazizeit zu schildern. Überhaupt zeichnet sich „Das Böse, es bleibt“ auch dadurch aus, dass Luca D'Andrea immer wieder zurückschaut, um die Motivation der verschiedenen Charaktere zu erklären. Das ist gut gemacht und trägt der heutzutage vorherrschenden Überzeugung Rechnung, dass wir alle wesentlich von unserer Kindheit und Jugend geprägt sind.
 
  „Das Böse, es bleibt“ ist ein vielschichtiger Thriller. Da geht es um archaische Vorstellungen von Rache, um den Glauben an Rätsel und Wunder, um Wahnsinn und um Stimmen im Kopf, die Befehle erteilen. Es geht aber darum, wie der Berufskiller seinem Job nachgeht. Und ums Südtirol, das der Autor als seinen Spielplatz bezeichnet. Für mich geht es zudem um so erhellende Sätze wie diesen: „Reiche Männer wie Herr Wegener nannten diese Zurschaustellung der Eitelkeit 'Wohltätigkeit'.“
 
  Es seien die Figuren selbst, die ihre Geschichten erzählten, nie umgekehrt, sagte der Autor in einem Interview. Was auch immer das heissen mag. Auch seine Aussage, dass er sich mit den Figuren fundamentale Fragen der Welt vornehme, wie etwa: 'Was passiert, wenn unsere moralischen Normen, unsere Ethik dermassen unter Druck geraten, dass sie zusammenbrechen? Was macht es mit uns, wenn wir mit der brutalen Wirklichkeit unserer selbst konfrontiert werden?' hat sich mir nicht erschlossen. Stattdessen habe ich einen hervorragenden Page-Turner angetroffen. Luca D'Andrea weiss, wie man Spannung erzeugt.

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