Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Patrick Deville
Kampuchea
(Kampuchéa, 2011)

Unionsverlag
2018
Übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller
277 Seiten
ISBN-13: 978-3293207905
€ 12,95


Von Alfred Ohswald am 21.03.2018

  Der Roman berichtet aus der Sicht eines namenlosen Mannes – ziemlich sicher der Autor – über das Land Kambodscha und auch etwas über Vietnam und Laos. Dabei kann man in zahlreichen Rückblenden viel über die Geschichte erfahren, egal ob über die Entdeckung von Angkor Wat, die Kolonialzeit unter Frankreich, über die japanische Besatzung oder – natürlich – die Terrorherrschaft der Roten Khmer. Dabei dient die Entdeckung Angkor Wats 1860 durch Henri Mouhot als Nullpunkt der Zeitrechnung (zB. 5 v. HM oder 150 n. HM).
  Ein Anhaltspunkt, zu dem Deville immer wieder zurückkehrt ist der Prozess von Duch, dem Leiter des berüchtigten Lagers S-21, wo nur vierzehn Menschen lebend die Befreiung erlebten. Den Delinquenten wurde mit einer Eisenstange oder dem Stiel einer Hacke das Genick gebrochen und anschließend die Kehle durchgeschnitten. Parolen wie „Es ist besser, einen Unschuldigen zu töten, als einen Feind am Leben zu lassen!“ sagen schon recht viel über die neuen Herrscher Bruder Nr.1, Nr.2 usw. aus. Nur drei Jahre, acht Monate und zwanzig Tage waren die Kommunisten an der Macht und es kostete dem Land mit knapp 8 Millionen Einwohnern um eine Million oder sogar mehr Todesopfer.
  Schon Sihanouk ging mit seinen politischen Gegnern alles andere als sanft um und hatte auch schon recht skurrile Einfälle. Und Heute strotzt das Land noch immer vor Korruption.
 
  Devilles Buch bietet keine konventionelle Handlung, es ist der Reisebericht eines Autoren, der oft in Rückblenden sehr viel über das Land zu erzählen weiß. Ein literarisches Geschichtsbuch, das sich die Freiheit nimmt, in der Chronologie herumzuspringen. Eine Retrospektive über die Geschichte bis in die Gegenwart der französischen Kolonien in Südostasien. Es ist der Roman eines Franzosen über eine ehemalige, französische Kolonie mit vorwiegend französischen Protagonisten. Schließlich war die französische Revolution zu nicht geringen Teilen Vorbild für die Gewaltherrschaft der Roten Khmer.
  2011 erhielt „Kampuchea“ vom Magazin „Lire“ die Auszeichnung zum besten Roman des Jahres. Da es sich im Grunde um Literatur handelt, muss man mit einigen nicht belegten Fakten, besser gesagt teilweise eher unwahrscheinlichen Gerüchten leben. So ist etwa Bruce Lee ziemlich sicher nicht Ideengeber für die Fernsehserie „Kung Fu“ mit David Carradine. Und der gefangene Vietcong, den General Nguyen Ngoc Loan vor laufender Kamera erschoss, kniete keineswegs, wie leicht nachzuprüfen ist.
  Andererseits neigt Deville wie viele studierte Philosophen zu nicht unbedingt gebräuchlichen Fremdwörtern, bei denen viele Leser nicht umhinkommen werden, sie zu googeln („Kenotaph“, „Persenning“, „Petanque“, „Ephemeriden“ usw.)

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.