Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Friedrich Dürrenmatt
Verdacht

Diogenes
1998
DM 16,90 (zus. m. „Der Richter und sein Henker“)


Von Johann F. Janka am 10.11.2000

  Mit "Verdacht" beschreibt Friedrich Dürrenmatt die letzte Herausforderung des Kriminalkommisärs Hans Bärlach.
 Während eines akuten Krankenhausaufenthaltes erfährt dieser durch Zufall von seinem Freund Dr. Hungertobel, in dessen Klinik er sich aufhält, von einem Naziverbrecher, welcher lange untergetaucht nun tot aufgefunden worden war. Dr. Hungertobel äußert einige Gedanken zu dem Toten, der wie er findet, gewisse Parallelen zu dem ehemaligen Kollegen von ihm aufweist. Er verwirft diese Gedanken aber genauso schnell wie er sie gefasst hatte und will dem ganzen keinerlei Bedeutung mehr zumessen. Nicht aber so Bärlach, dem der Umstand, dass der in dem Zeitungsartikel zu Tode gekommene KZ-Arzt verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Kollegen von seines Freundes aufweist, mehr als nur Zufall zu sein scheint. Ab diesem Zeitpunkt findet der Kommisär keine Ruhe mehr, obwohl er diese mehr als nötig hätte, denn länger als ein Jahr will man ihm wegen seines fortgeschrittenen Krebsleidens, bei aller Freundschaft, nicht mehr geben. Die Vermutung dass der Nazi-Schlächter hier in der Schweiz eine Klinik leitet, während an seiner Stelle ein ihm sehr ähnlich sehender Toter als der Nazi-Arzt identifiziert wurde und somit sein Akt für alle Nazi-Jäger abgeschlossen war, lässt ihn nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Nur allzu wach ist sein Verstand, was im krassen Gegensatz zu seinem Körper steht. Vor allem sein kriminalistischer Spürsinn für Verbrechen, welcher ihn die letzten Jahrzehnte begleitet hat lässt ihn nicht mehr los.
  Immer heftiger nötigt er seinen Freund, Dr. Hungertobel ihm alle Details über den KZ Arzt Nehle und den, dem Nazi ähnlichen Emmenberger mitzuteilen. Nur widerwilligst, zögernd und unter Protest teilt ihm sein Freund sein Wissen um beide Personen mit und willigt schlussendlich, gegen seine Überzeugung, ein, den schwerkranken Patienten, Inspektor Hans Bärlach unter falschem Namen in die Klinik "Sonnenstein", welcher der vermutete Nazi-Verbrecher vorsteht, einzuliefern zu lassen.
  Dort angekommen, konfrontiert Bärlach zuerst die Schwester und dann den Leiter der Klinik, Dr. Emmenberger unverblümt mit seinem "Verdacht". Danach nehmen die Dinge ihren Lauf….!
 
  Brillant versteht es Dürrenmatt diese spannende Geschichte des fast am Lebensende angekommenen Kommisärs Bärlach so zu erzählen, dass das Mitgefühl für die totokranke Hauptperson mehr und mehr von dem kriminalistischem Jagdfieber derselben abgelöst wird. Der Autor scheut nicht davor zurück, das Einzelschicksal eines dem Tode geweihten, hinter die eigentliche Sache, die auch heute immer noch währenden Bemühungen Nazi-Verbrecher aufzuspüren und der Verurteilung zuzuführen, zu stellen. Sehr empfehlenswert!

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.