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Carlo Maria Cipolla
Die Prinzipien der menschlichen Dummheit

Liebeskind
2018
Übersetzt von Moshe Kahn
64 Seiten
ISBN-13: 978-3954380862
€ 8,-


Von Hans Durrer am 05.03.2018

  Es gehört zu den Auswüchsen der politischen Korrektheit, dass man sich heutzutage beim Gebrauch gewisser Wörter schon fast automatisch fragt, ob man dieses oder jenes Wort überhaupt benutzen darf. Nehmen wir „dumm“, das etwa in der Kombination „Das ist eine dumme Frage“ zwar durchaus gängig ist. Auch der Ausdruck „dummer Kerl“ ruft noch nicht automatisch die Sprachkorrekten hinter dem Busch hervor, sofern man dabei auf ein konkretes Verhalten Bezug nimmt. Problematischer wird es hingegen, wenn man behauptet, es gebe dumme Menschen, und zwar von Natur aus.
 
  Eine solche Aussage ruft unverzüglich Heerscharen von Gleichheitsadvokaten, vor allem aus der Genetik und der Soziologie, auf den Plan, die mit wissenschaftlichen Daten bewehrt, nachzuweisen versuchen, „dass alle Menschen von Natur aus gleich seien und dass, wenn ein paar Menschen gleicher seien als andere, dies auf ihre Erziehung und ihr soziales Umfeld, keineswegs aber auf Mutter Natur zurückzuführen wäre“, wie der 2000 im Alter von 80 Jahren in seiner Heimatstadt Padua gestorbene Wirtschaftshistoriker Carlo Maria Cipolla in seiner amüsanten Schrift „Die Prinzipien der menschlichen Dummheit“ ausführt.
 
  Doch was ist genau menschliche Dummheit? Ein dummer Mensch, so Cipolla, sei jemand, der einer anderen Person oder einer Gruppe von Personen Schaden zufüge, ohne selber dabei Gewinn zu erzielen und dabei möglicherweise sogar zusätzlichen Verlust mache. Da scheint ein Ökonom die Ökonomie auf die Schippe zu nehmen – ich jedenfalls lese diese Aussage als Satire.
 
  Es ist ein dünnes Büchlein, gerade mal 54 Seiten, Kleinformat, ansprechende Gestaltung und ich will nicht zuviel davon verraten, ausser natürlich, dass es sich gut und anregend liest. Ganz besonders die Ausführungen über das Gefährlichkeitspotential dummer Menschen, das von denen, die selber nicht dumm sind, stets unterschätzt wird. Das liegt nicht zuletzt daran, so Cipolla, dass „vernünftige Menschen sich nur schwer ein dummes Verhalten vorstellen, geschweige denn begreifen können.“

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