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Ljuba Arnautovic
Im Verborgenen

Picus
2018
200 Seiten
ISBN-13: 978-3711720597
€ 22,-


Von Alfred Ohswald am 26.02.2018

  „Im Verborgenen“ ist die Familiengeschichte, insbesondere der Großmutter Genofeva, der Autorin Ljuba Arnautovic, also keine akribisch bis ins kleinste Detail dokumentarische Biographie sondern an dieser und jener Stelle mit schriftstellerischer Freiheit erzählt.
 
  1944 in Wien: Walter, der bisher ein unauffälliges Leben führte, bekommt einen schriftlichen Bescheid, dass eine Untersuchung ergab, er sei Jude und solle sich melden. Walter weiß, was ihm droht und hat nicht vor, der Aufforderung nachzukommen. Er reagiert allerdings etwas desorientiert und sucht in seiner Verwirrung Eva, eine Bekannte, die in einer Kanzlei arbeitet, auf. Diese Kanzlei dient auch als Tarnung für eine Widerstandsorganisation. Eva ist eine ausgesprochen tatkräftige Frau und besorgt ihm – allerdings erst nach einem vorgetäuschten Selbstmord von Walter - in dem Haus, in dem ihre Wohnung liegt, ein Versteck.
  Später wird ausführlicher vom Schicksal Evas, deren ursprüngliche Identität eigentlich Genofeva war, erzählt. Etwa von ihren Vorfahren, ihrem Mann und ihren zwei in die Sowjetunion geflüchteten Söhnen. Bereits 1934 wird sie vom Dollfuß-Regime bedrängt und als sie bei ihrem dritten, diesmal längeren Gefängnisaufenthalt mehrmals gefoltert wird, bleiben ihr bei der Entlassung längerfristige Schäden zurück.
 
  Man soll ja einen Roman nicht nach den ersten Sätzen beurteilen aber eine völlig unwichtige Rolle spielen sie doch auch nicht, bestimmen sie doch den ersten Eindruck. Mit „Grau und schwer liegt die Donau in ihrem Bett. Grau und schwer liegt die Wolkendecke über der nächtlichen Landschaft.“ beginnt „Im Verborgenen“ aber eindeutig zu schwülstig, zu „g‘schwollen“, wie man auf Wienerisch sagen würde. Leser sollten sich aber keineswegs davon abschrecken lassen, der hier recht holprige Stil findet sich sonst nicht mehr in dem Buch, im Gegenteil, es ist recht angenehm lesbar und gleichzeitig in einer geglückten, unprätentiösen Sprache formuliert.
  Arnautovic springt gerne in Zeit und Raum und zwischen zahlreichen Personen hin und her, es ist nicht immer einfach den Handlungssträngen zu folgen. Die Rückblenden in die Schicksale verschiedener Protagonisten machen den Roman aber auch spannender und geben ihm mehr Substanz. Dass die Hauptfigur unter den zwei Namensvarianten Eva und Genofeva geführt wird, macht die Sache allerdings nicht gerade einfacher. Ein kurzes erklärendes Vorwort würde die Sache vielleicht etwas einfacher für die Leser machen.

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