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Arno Geiger
Unter der Drachenwand

Hanser
2018
480 Seiten
ISBN-13: 978-3446258129
€ 26,-


Von Alfred Ohswald am 10.01.2018

  Der junge Veit Kolbe wird 1944 an der Ostfront verwundet, kommt ins Lazarett und von dort zu seinen Eltern nach Wien. Wegen der drohenden Bombenangriffe zieht er allerdings nach Mondsee in ein keines Zimmer bei einer ausgesprochen unsympathischen Vermieterin. Dort lernt er eine Lehrerin kennen, die ihm aber deutlich zu verstehen gibt, dass sie nicht von ihm wissen will. Auch seine aus Darmstadt stammende Zimmernachbarin mit ihrer Tochter im Babyalter lernt er kennen und freundet sich mit ihr an.
 
  Der Krieg steht anfangs im Zentrum und später meist in Form von Mondsee überfliegenden Bombern drohend im Hintergrund. Später wechselt die Perspektive kurz zu der Mutter der Zimmernachbarin Veits nach Darmstadt in Form von Briefen an ihre Tochter, da sind Bomber und Tiefflieger eine akutere Bedrohung. Auch die Briefkontakte anderer Bewohner in Mondsee kommen danach vor. Auch ein Jude kommt vor, allerdings zu einem deutlich früheren Zeitpunkt und vorerst ohne rechten Zusammenhang mit der bisherigen Handlung. Dann kommt die Handlung zu Veit zurück und ein verschwundenes Mädchen von 13 Jahren bringt etwas Unruhe in den Ort. Schließlich – was muss ja passieren – fängt er eine Beziehung mit der Darmstädterin an.
  Geiger benutzt besonders Anfangs das ungewöhnliche Stilmittel des sonst recht ungebräuchlichen Satzzeichens Schrägstrich zwischen manchen Sätzen. / Allerdings lässt sich kein Kriterium erkennen, nachdem er das anwendet oder es sein lässt. Später im Buch kommt das aber seltener, oft nur mehr einmal pro Seite vor. Im Übrigen konnte er sich offensichtlich bei der Textgestaltung nicht so richtig entscheiden, manche Brieftexte sind kursiv, manche normal gedruckt.
  Obwohl 1944 eigentlich eine recht turbulente Zeit ist, kommt der Roman und das Leben der Hauptperson Veit in Mondsee regelrecht geruhsam daher. Ohne irgendwelche großartige Ambitionen wartet er seine endgültige Genesung ab, selbst sein Annäherungsversuch an die Lehrerin wirkt wenig nachdrücklich und überzeugend. Die Menschen scheinen weitgehend ihre Wünsche und Träume vergessen zu haben und leben trotz der Bedrohungen in Erwartung des Endes seltsam teilnahmslos vor sich hin.
  Wie dem Vorgänger, fehlt es dem Buch etwas an Tempo, ob jetzt mit Absicht, sei dahingestellt. Vermutlich hätte die eine oder andere Kürzung nicht geschadet…
  Aber dann gibt es auch wieder Sätze wie „Im Grunde sind alle Menschen seltsam“…

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