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Justin Cronin
Der Übergang
Passage-Trilogie 1
(The Passage, 2010)

Goldmann
2011
Übersetzt von Rainer Schmidt
1040 Seiten
ISBN-13: 978-3442469376
€ 9,99


Von Alfred Ohswald am 07.01.2018

  „Der Übergang“ ist der erste Teil einer Trilogie und eine waschechte Weltuntergangs-Dystopie in bester amerikanischer Manier. Ein Virus verwandelt Menschen in eine Art Vampire, zumindest jene, die die Ansteckung überleben.
  Die bei den Überlbenden möglichen Selbstheilkräfte interessieren natürlich auch Regierungsstellen und darum richten sie ein Forschungszentrum ein. Die zwei FBI-Agenten Wolgast und Doyle sollen zum Tode verurteilte Gefängnisinsassen dazu überreden, sich gegen Straffreiheit als freiwillige Versuchskaninchen zur Verfügung zu stellen.
  Als sie dann aber auch die – naturgemäß unschuldige - sechsjährige Amy holen sollen, artet es in Kidnapping aus und Wolgast plagen plötzlich Gewissensbisse. Außerdem ist Amy kein normales kleines Mädchen, wie sich schon bei einem Zoobesuch andeutet, kurz bevor sie die beiden FBI-Agenten schnappen.
 
  Am ehesten erinnert Cronins Epos zumindest Anfangs an Dan Simmons geniales „Kinder der Nacht“, vielleicht nicht ganz so in sich konsistent und nachvollziehbar und nicht annähernd so gelungen, und stilistisch an einen etwas ausufernden Stephen King zu seinen besten Zeiten. Und wie King und so mancher andere Horrorautor neigt auch Cronin – deutlich seltener - manchmal zu etwas einseitigen Charakteren, so sind einige Bösewichter im Horror- und Fantasy-Genre oft wirklich abgrundtief böse, ohne auch nur die geringsten Variationen aufzuweisen. Diesen Part übernimmt hier – abgesehen von den Vampiren natürlich – Anfangs hauptsächlich ein gewisser Richards, so etwas wie der wahre Chef der Forschungsanstalt. Wer Wert auf Logik oder Realismus in möglichst allen Details legt, ist hier, wie in den meisten Horror-Romanen, ziemlich sicher nicht richtig.
  Wie Großmeister Stephen King – zumindest was die Verkaufszahlen betrifft - widmet sich Cronin gerne so ziemlich jedem Charakter in dem Buch recht ausführlich. Trotz der über 1000 Seiten hat das Buch keine Längen, denn selbst die Abschweifungen in die Vergangenheit der zahlreichen Figuren bleiben durchwegs interessant und spannend. Allerdings geht es hier erst richtig los, wenn andere Romane bereits zu Ende sind und das ist erst der erste von drei Teilen!
  Ab ungefähr dem ersten Drittel erinnert das Buch dann allerdings deutlicher eher an einen der zahllosen Zombie-Romane als an einen Vampir-Roman. Der feuchte Traum mancher US-Amerikaner, eine Gruppe kämpft sich in einem apokalyptischen Szenario durch. Natürlich ist das Buch ein wenig USA-Zentrisch aber das ist ja bei vielen amerikanischen Autoren meist noch viel schlimmer. So überrascht es auch wenig, dass einige Action-Szenen in ihrer Abenteuerlichkeit schon stark an Indiana Jones & Co. erinnern.
  Generell ist das Buch in mehrere, sehr eigenständige Abschnitte mit ebenso unterschiedlichen Erzählperspektiven gegliedert, die sich wie aufeinander folgende, völlig eigenständige Bücher und nicht wie einzelne Kapitel lesen. Etwas ungewöhnlich ist auch noch, dass kaum aus der Sicht der eigentlichen Hauptfigur Amy erzählt wird. Im übrigen sollte man sich wie bei „Game of Thrones“ besser nicht zu sehr an bestimmte Charaktere gewöhnen, Cronin hat einen ähnlich hohen Verschleiß wie George R. R. Martin.
 
  Da der Roman auf der einen Seite etwas in der Zukunft spielt aber bereits vor einigen Jahren geschrieben wurde, kommt es naturgemäß zu einigen, kleineren Ungereimtheiten. So verwendet schon Heute wohl kaum jemand mehr ein Blackberry, von der nahen Zukunft gar nicht zu sprechen.
 
  Endlich wieder ein Vampir-Roman eher in der Tradition von Bram Stoker abseits der unsäglichen romantischen Blutsauger-Schönlinge mit ihrer meist lächerlichen, puritanischen Hintergrundideologie, die das Genre ein Zeit beherrschten! Und nicht vom Cover abschrecken lassen, dass genau einen solchen Romantik-Vampir-Roman befürchten lässt.
 
  Da es noch zwei weitere Teile gibt, ist es wohl keine Überraschung, dass es auch kein wirklich befriedigendes Ende gibt.

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