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Andreas Brandhorst
Das Erwachen

Piper
2017
736 Seiten
ISBN-13: 978-3492060806
€ 16,99


Von Alfred Ohswald am 15.12.2017

  Der Computernetz-Hacker mit dem Alias-Namen AK47 kommt auf ominöse Weise zu einem Datenstick. Als er ihn unter ausgiebigen Vorsichtsmaßnahmen untersucht, entdeckt er Zugangsdaten zur größten Spiele-Softwarefirma der Welt mit einer unter Hackern legendären Firewall. Er versucht den ersten Zugangscode und kann tatsächlich als Administrator einloggen. Nach einigen, vorsichtigen Erkundungen im Dateisystem der Firma, entdeckt er gut versteckt einen für einen Erstschlag im Cyberwar entwickelten Virus der NSA. Dabei wird er von einem Überwachungsprogramm entdeckt und muss schnell raus aus dem System. Vorher lädt er den Virus noch schnell auf einem Computer in seinem Botnetz.
  Und damit beginnt das drohende Verderben, denn der Virus beginnt sich nicht nur zu verbreiten, er entwickelt sich auch recht zügig weiter in Richtung selbstständige Maschinenintelligenz. Und niemand kann sagen, wie lange oder eher wie kurz es dauern wird, bis er nicht mehr zu stoppen ist. Und auch nicht, was er mit der Menschheit anzustellen gedenkt.
 
  Die Thematik einer künstlichen Intelligenz, die die Menschheit mehr oder weniger beherrscht, ist alles andere als neu in der Science Fiction. Im kleinen Rahmen ist wohl HAL 9000 in „Odyssee im Weltraum“ das berühmteste Beispiel. In „Das Erwachen“ gleicht das Szenario mehr einem Katastrophenfilm oder -buch, das mit einer Menge Hacker-Ausdrücken gespickt wurde. Und da Brandhorst schon mehrfach sein handwerkliches Können und sein Talent bewiesen hat, überrascht es wenig, dass er auch dieses Szenario virtuos beherrscht.
  Da ist einmal der von so ziemlich allen gejagte Hacker AK47, dann die Mitarbeiterin einer Organisation, später UN-Sonderbeauftragte, die sich in der internationalen Diplomatie für die Abwehr dieser Gefahr einsetzt und ein Mitarbeiter einer anderen Organisation, der sich mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. Später kommen noch mehr Protagonisten hinzu. Diese verschiedenen Perspektiven verschaffen dem Leser den nötigen Überblick und die zum Spannungsaufbau ausgesprochen nützlichen Wechsel des Blickwinkels.
  „Das Erwachen“ spielt kurz nach der heutigen Zeit, viele der darin beschriebenen Dinge gibt es bereits, andere, wie das autonom Fahren sind gerade in der Entwicklungsphase. Eine Nebenrolle spielen auch andere, moderne Phänomene, wie etwa der Klimawandel.
  Der SF-Thriller „Das Erwachen“ ist etwas zu konventionell, um als bester Roman Brandhorsts durchgehen zu können, er gehört zum Durchschnitt seiner allesamt gelungenen Werke. Es reicht allerdings nicht ganz an seine vor Phantasie über schwellende „Kantaki“-Trilogie oder das originelle „Die Stadt“ heran, ist aber durchaus immer noch ein empfehlenswertes Buch.
  Die Hauptschwächen sind, dass man das Meiste bereits so oder so ähnlich irgendwo gelesen hat und dann ist das Buch einfach etwas zu dick geraten. Recht gelungen ist dagegen weitgehend die Einflechtung der Recherchen in die Romanhandlung.

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