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Reinhard Trinkler
Falco
Die Legende lebt

Amalthea
2017
96 Seiten
ISBN-13: 978-3990500781
€ 20,-


Von Alemanno Partenopeo am 10.12.2017

  Endlich gibt es Falco auch als Comic. Oder sogar als Graphic Novel. Dieses Jahr wäre er 60 Jahre alt geworden, Brigitte hätte er als Mädchen heißen sollen, doch dann wurde doch ein Johann „Hansi“ Hölzl aus ihm und schon als Kind im Gitterbett habe er zu Schlagerplatten dirigiert, so Reinhard Trinkler in seiner Nacherzählung des Lebens des richtigen ersten österreichischen Popstars Falco, der sich nach einem Skispringer benannte und ebenso schnell abstürzte, allerdings in einer echten Bruchlandung in der Dominikanischen Republik, erst 40 Jahre und 352 Tage alt. Schon früh lernte er auch zu sprechen wie Oskar Werner und soll auch ausgezeichnete Deutsch-Aufsätze in der Schule geschrieben haben. Mit 16 ersetzt er sein Klavier durch eine E-Gitarre und beginnt sich für Mädchen zu interessieren. Seine erste Band „Umspannwerk“ führt ihn auch nach West-Berlin, was ihn eventuell zu dem meines Erachtens unterschätzten Hit „Auf der Flucht“ inspiriert haben könnte.
 
 Frühes Ende einer Legende
 
  Bei der Hallucination Company arbeitet er dann als Bassist, Spinning Wheel eine weitere Station und schließlich wechselt er dann zur Anarcho-Kombo Drahdiwaberl. Der Produzent Robert Ponger bietet ihm dann ein selbst komponiertes Playback an, das Reinhold Bilgeri (!) kurz zuvor abgelehnt hatte. Unter dem Titel „Der Kommissar“ reüssiert es auch bei amerikanischen Star-DJs wie Afrika Bambata und so begründet der Hansi Hölzl aus der damaligen Provinz- und „Mauer“stadt Wien quasi den Hip Hop jedenfalls aber sicher den Deutsch-Rap mit. Auch „Rock Me Amadeus“ wenig später sollte auf so einem Zufall wie der Kommissar beruhen: im Kino spielten sie damals gerade den film „Amadeus“ von Milos Forman und das bekamen auch zwei findige Produzenten in Holland mit. Die Bolland-Brüder ließen den Wiener Falco das Klischee vom Superstar aus der Provinz auferstehen und Falco landete als erster deutschsprachiger Künstler in der amerikanischen Hitparade. Damit war sein Leben eigentlich vorbei.
 
 Tod in der DomRep
 
  Falco sollte sich nämlich von seinem schnellen Erfolg nie mehr so richtig erholen und stürzte regelmäßig als Alkoholiker ab, wobei er das, worauf sein Namenspatron so gerne ausrutschte, angeblich auch sehr ausgiebig genossen haben soll. In „Geld oder Leber“ spielt er neben einer bekannten Supernase sogar einmal im Film mit und versucht weiterhin Hits zu fabrizieren, die aber nie mehr an Rock Me Amadeus anschließen können, aber trotzdem alle gut klingen. „Seine“ Isabella lernt er am Höhepunkt seines Erfolges kennen, aber die beiden streiten sich hauptsächlich. Die gemeinsame Tochter Katherina liebt er trotz einer gegenteiligen DNA-Analyse übrigens weiterhin abgöttisch, aber wie so viele andere Helden der griechischen Tragödie ist auch Falco am Höhepunkt seines Erfolges völlig allein. Er zieht sich auf eine Insel zurück und fliegt zum 40. Geburtstag seine Freunde ein, wie es auch Trinkler in Bildern festgehalten hat, aber selbst seiner Mutter rät er: „Du kannst mich jederzeit besuchen kommen, in der DomRep, aber nimm dir eine Freundin mit, sonst wird dir fad.“ Reinhard Trinkler lässt die Frage, ob Falcos Tod wenig später, kurz vor seinem 42. Geburtstag, Selbstmord war oder nicht offen. Umgebracht hat ihn ohnehin sein Erfolg.

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