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Edgar P. Jacobs
Blake & Mortimer
E. P. Jacobs Gesammelte Abenteuer

Carlsen
2017
Übersetzt von Wiebke Besson, Harald Sachse, Karin von Schwede-Schreiner und Ilse Strasmann
752 Seiten
ISBN-13: 978-3551734266
€ 79,99


Von Alfred Ohswald am 02.12.2017

  „Blake & Mortimer“ ist einer der nicht gerade rar gesäten Klassiker der franko-belgischen , nicht sonderlich realitätsnahen Polit-Spionage-Abenteuer-Comics in der Tradition von Tintin (Tim und Strupi) Hergés. Fast alle sind im ebenfalls von Hergé erfundenen sogenannten „Linge claire“-Stil gezeichnet. Bei Edgar P. Jacobs kommt noch hinzu, dass er sogar kurze Zeit mit Hergé an Tintin gearbeitet hat. Ganz die Leichtigkeit von Hergés Strich hat Jacobs zumindest in den ersten Alben noch nicht. Später werden die Zeichnungen qualitativ besser, ja oft großartig aber auch realistischer und haben damit weniger mit Hergés Stil gemeinsam. Auch die Colorierung ist manchmal etwas eigenwillig, so wechselt ein Roboter in „Mortimer in Tokyo“ innerhalb einer Seite gleich mehrmals die Farbe von orange zu violett zu grün.
  Diese Gesamtausgabe umfasst nur die Bände von 1950-1990, an denen noch Edgar P. Jacobs beteiligt war. Der letzte enthaltene Band ist also die Nr. 12 „Mortimer gegen Mortimer“, an dem schon zusätzlich Bob de Moor mitgearbeitet hat. Ab da wechselten die Beteiligten übriges ziemlich häufig und auch die Chronologie geht wild durcheinander.
  „Blake & Mortimer“ ist nicht nur im Zeichenstil realistischer als Tintin, die beiden Hauptfiguren sind der Atomphysiker Professor Mortimer und der Chef des britischen M.I. 5 Hauptmann Blake und damit nicht so harmlos wirkend wie Tim mit seinem kleinen Hund. Im Vergleich zu us-amerikanischen Superhelden-Comics dieser Zeit schneiden die franko-belgischen Comics übrigens qualitativ eindeutig besser ab. Was aber vermutlich nicht zuletzt am abenteuerlichen Tempo liegt, in dem diese us-amerikanischen Comics großteils produziert wurden.
  „Blake & Mortimer“ ist wirklich ausgesprochen Textlastig und die Lesbarkeit leidet etwas unter Flüchtigkeitsfehlern und der Druckgröße, zumindest bei der meist nicht mehr ganz jungen Zielgruppe.
  Die beiden ersten Teile „Der Kampf um die Welt“ 1 und 2 und auch manche weitere Teile drehen sich um eine Verhinderung der Welteroberungspläne eines Diktators oder anderem Bösewichts durch die Helden. Bereits hier führt Jacobs auch Blakes und Mortimers ewigen Gegenspieler „Colonel Olrik“ein. In der Tradition von Tintin gibt es hier etwa mit Blakes Diener „Nasir“ (später im indischen Geheimdienst tätig), den bösen Wissenschaftler „Jonathan Septimus“, „Akira Sato“, den Ägyptologen „Grossgrabenstein“ usw. einige Figuren, die immer wieder im Umfeld der beiden Helden auftauchen. Hier zeigt sich natürlich auch der Zeitgeist, der irgendwann einen Diener aus einer ehemaligen Kolonie etwas fragwürdig erscheinen ließ. Auch ein verhinderter Welteroberer ausgerechnet aus Tibet wäre heute kaum noch denkbar. Generell darf man sich an Klischees nicht großartig stören, die gibt es nicht zu knapp. Selbst die Anglizismen sind reichlich antiquiert, was bei einem Belgier selbst nach einer Übersetzung vielleicht nicht so überraschend ist.
  Da dieser erste Teil von „Blake & Mortimer“ nicht lange nach dem 2. Weltkrieg spielt, wundert die Ähnlichkeit dieser Bösewichte mit den Japanern nicht wirklich. Auch das eher simple Welteroberungsszenarion passt gut in diese Zeit des beginnenden Kalten Krieges. Der böse Diktator „Basam-Damou“ erinnert aber schon ein wenig an einen früheren Kim Jong Un. In den aktuelleren Alben ändert sich da natürlich einiges und dieser recht klischeehafte Blick auf die Welt und ihre Bewohner ändert sich zumindest ein wenig. Wobei die Japaner als führende im Roboterbau im Album aus dem Jahr 1977 als recht vorausblickend gesehen werden können. Allzu genau sollten es die Leser aber bei derartigen Klassikern nicht immer nehmen, sonst soll man besser die Finger davon lassen.
  Obwohl reichlich Wissenschafter in dem Comics herumlaufen, gehören viele Erfindungen und Waffen in den Comics eindeutig mehr in den Bereich der phantastischen Science Fiction. Auch die „U-Strahlen“ passen in die Zeit, werden doch in den Comics aus Übersee gerade massenhaft Superhelden durch radioaktive Strahlung geschaffen. Aber auch das ist ja in diesem Genre keine ausgesprochene Seltenheit, ja macht sogar einen gewissen Reiz aus. Was wären Spirou und Fantasio ohne das Marsupilami und die verrückten Erfindungen von Graf Rummelsdorf und den Zyklotrop?
  Wie bei solchen Gesamtausgaben üblich, gibt es auch redaktionelles Material über Autor und die wichtigsten Figuren, der aber hier nicht extra großartig erwähnenswert ist.

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