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Volker Meid
Das Buch der Literatur
Deutsche Literatur vom frühen Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Jubiläumsausgabe

Reclam
2017
526 Seiten
ISBN-13: 978-3-15-011117-8
€ 20,-


Von Alemanno Partenopeo am 19.11.2017

  Neun literaturgeschichtliche Epochen werden in diesem Buch zur deutschen Literatur unterschieden. Von der Zeit Karls des Großen bis zur Gegenwart spannt sich der Rahmen, dessen jeweilige Kapitel jeweils mit einer einleitenden Bemerkung auf einer Doppelseite charakterisiert werden. Der Blick richte sich auf verschiedene Epochen und Strömungen, auf ausgewählte Autorinnen und Autoren, auf Fragen der Poetik und Ästhetik, auf die Entwicklung der literarischen Gattungen, auf literatur- und sozialgeschichtlich bedeutsame Stoffe und Themen, aber auch auf Aspekte der Wirkungsgeschichte und die grundlegenden gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen von Literatur, zusammengefasst in den Komplexen Literaturbetrieb Und Medien, schreibt Volker Meid im Vorwort.
 
 Kultur aus Burgen und Klöstern
 
  Die erste Periode, die Epoche von Karl dem Großen bis zu Friedrich Barbarossa, also etwa 750 – 1170, war gekennzeichnet von einem Wandel der deutschen Sprache, denn das Althochdeutsche wurde zum Mittelhochdeutschen, das die dialektalen Unterschiede tendenziell einebnete. Natürlich war die Literatur damals noch sehr religiös geprägt und Latein war auch die Sprache der Kirche und des Bildungswesens, trat aber dann immer mehr zurück. Die lateinische Benediktinerregel liegt heute noch im Kloster St. Gallen in der Schweiz und ist mehr als 1200 Jahre alt. Das älteste deutsche Buch ist übrigens der sog. Abrogans, ein Wörterbuch aus dem Jahre 765, das ebenfalls in St. Gallen, in der Stiftsbibliothek, aufbewahrt wird. „Abrogans“ ist das erste lateinische Wort in dem Nachschlagewerk und bedeutet „dheomodi“, also demütig, man erkennt darin noch „dheo“ also Gott und „modus/modi“, die „Art und Weise“. Klöster waren bis in die Neuzeit herauf Kulturzentren, die zumeist aus einem Scriptorium, einer Bibliothek und einer Schule bestanden. (Eindrucksvoll inszeniert wurde das etwa in dem Film „Im Namen der Rose“ von Jean-Jacques Annaud, 1986) Dennoch war die mittelalterliche Gesellschaft natürlich analphabetisch, was zur „oral poetry“ führte, also der mündlichen Weitergabe von Texten, die erst später evt. wieder aufgezeichnet wurden. In diesem Kapitel werden auch zeitgenössische Quellen verwendet, etwa im Kapitel „Minnesang“, wenn man sieht wie Prinz Eisenherz Ilene ein Ständchen bringt.
 
 Neuzeit und Moderne ante portas
 
  Nach dem Mittelalter, das in vorliegender Publikation ebenfalls in Früh-, Hoch und Spätmittelalter eingeteilt wird, folgen die Beschreibungen der unterschiedlichen Literaturen nach den jeweiligen Jahrhunderten. Das letzte Kapitel ist folglich das 20. Jahrhundert, das mit der literarischen Moderne beginnt und den Epochenbegriff eigentlich nicht einheitlich anwenden kann. Nicht wie bisher Kontinuität und Linearität, sondern Brüche und Neuanfänge, Ungleichzeitigkeiten und ein Neben- und Gegeneinander verschiedener Strömungen charakterisieren die Moderne, die nicht nur national, sondern auch medial die komplette und komplexe Spaltung des literarischen Kanons herbeiführt. Jugendstil, Ästhetizismus und Impressionismus sind nur einige der literarischen Strömungen des Jahrhunderts, das sich zuletzt selbst zerstob. Literaturverfilmungen spielen in diesem letzten Kapitel ebenso eine Rolle wie der Literaturbetrieb, die Gattungen Exilliteratur oder Frauenliteratur. Ein Abbildungs- und Textnachweis sowie ein Personenregister runden dieses bunte und unterhaltsame Nachschlagewerk in Paperback zur deutschen Literatur ab. Zusatzinformationen in den Randspalten wie Zeittafeln, Kurzbiografien, Begriffserläuterungen, Zitaten lockern den Fließtext zudem auf, ebenso wie zahlreiche, farbige Illustrationen.

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