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Vitali Konstantinov
Leben und Werk von Dostojewski - FMD

Knesebeck
2016
64 Seiten
ISBN-13: 978-3-86873-850-6
€ 22,-


Von Alemanno Partenopeo am 15.11.2017

  Der Comic-Artist Vitali Konstantinov gehört noch zu der Generation von Künstlern, denen die Eltern richtige Bücher vorgelesen haben und keine Bilderbücher. Sein Vater sei ein großer Fan von Dostojewski gewesen und habe sogar seltene Ausgaben gesammelt und abends seiner Mutter und ihm daraus vorgelesen. Nicht mal die sowjetische Schule hätte diese Bindung zerstören können. Was lag also näher aus den Büchern seines Vaters ein Bilderbuch zu machen? Oder noch besser! Eine Graphic Novel!
 
 Leben und Werk eines Spielsüchtigen
 
  Dostojewskis Werk seit auch heute nach wie vor aktuell, schreibt der aus Odessa stammende Konstantinov, es sei ein unvergängliches literarisches Pendant zum Standford-Prison-Experiment und mehr. Mit dem vorliegenden Werk „FMD. Leben und Werk von Dostojewski“ leistet Vitali Konstantinov jedenfalls einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung der Kultur seines Heimatlandes, denn er behandelt eigentlich alles wichtigen Werke des Autors chronologisch und webt dazwischen die Lebensstationen des wohl bekanntesten präsowjetischen, russischen Schriftstellers. Obwohl Dostojewskis Vater es eigentlich verhindern wollte, dass sein Sohn ein „Federfuchser“ werden würde, da dies der „Weg ins Verderbnis“ sei, hielt es Fjodor nicht lange bei dem ihm vom Vater verordneten Militärdienst aus und beginnt seine schriftstellerische Karriere vorerst mit Übersetzungen aus dem Französischen. Also doch ein früher Federfuchser!
 
 Vom Verfemten zum Erzieher des Zaren
 
  „Masken tragende Menschen sind heutzutage keine Seltenheit, heute ist es schwierig unter einer Maske den Menschen noch zu erkennen“, schreibt er in „Der Doppelgänger. Petersburger Poem“, aber bald schon wird Dostojewski wegen Verschwörung und revolutionärer Ideen (das Jahr 1848!) verhaftet und vor ein Standgericht erstellt. Kurz vor der Hinrichtung begnadigt, wird er nach Sibirien verbannt, was seinem Wunsch ein „Federfuchser“ zu werden irgendwie entgegenkommt. Aber bald kommt Dostojewski wieder frei und bereist Europa und auch eine gewisse Appolinarija spielte alsbald eine wichtige Rolle in seinem Leben. Sein Hauptwerk „Verbrechen und Strafe“ oder noch besser bekannt unter „Schuld und Sühne“ handelt von Rodion Romanowitsch Raskolnikow und teilt die Menschen in zwei Kategorien: die für den Nachwuchs oder die Fortpflanzung zuständig sind und die, die Talent haben. Hat er diesen Roman wirklich in nur 26 Tagen geschrieben, weil sein Peiniger, der Gläubiger, ihm im Genick saß? Dostojewskis Spielschulden sind Legende und vielleicht war es auch für ihn so, wie er in seinem Buch „Der Idiot“ schreibt: „Ihr sollt wissen, dass es solche Grenzen der Schande im Erfahren der eigenen Nichtigkeit und Schwäche gibt, über welche der Mensch nicht mehr hinwegschreiten kann. Ab da beginnt er in eigener Schande ein Vergnügen zu finden.“
 
 Ein Denkmal für den Schriftsteller
 
  Am Ende wird Dostojweski sogar zum Erzieher des künftigen Zaren und bekommt sogar ein bemerkenswertes Denkmal in Baden-Baden: er steht barfuß auf einem Dinosaurierei. Vitali Konstantinov hat verbale Textteile aus Werken, Briefen, Tagebüchern unterschiedlicher Akteure selbst übersetzt und widmet 35 Bilderseiten dem Leben des Dichters und 19 dem Werk, wie Prof. Dr. Gudrun Goes, Vorsitzende der Deutschen Dostojewski Gesellschaft, im Nachwort schreibt. Eine Chronologie von Dostojewskis Leben am Ende des Bandes rundet diese unterhaltsame und inspirierende Graphic Novel von Vitali Konstantinov ab.

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