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Andreas Winroth
Die Wikinger
Das Zeitalter des Nordens
(The Age of the Vikings)

Klett-Cotta
2016
Übersetzt von Susanne Held
368 Seiten
ISBN-13: 978-3608949278
€ 24,95


Von Alemanno Partenopeo am 08.11.2017

  Dass besonders die Wikinger in einer gewalttätigen und brutalen Zeit als so gewalttätig und brutal gelten, mag wohl seine Gründe haben. Sie plünderten und brandschatzten Europa zwischen 8 und 1100 und waren - zumindest die ersten paar Jahrzehnte - keine Christen. Vielleicht liegt es daran, dass sie so negativ dargestellt werden, obwohl sie ja durchaus auch Entdecker und Händler waren? Immerhin waren sie 500 Jahre vor Columbus in Amerika oder gründeten in Britannien die Handelsstadt York. Hatten die Wikinger also auch so etwas wie einen zivilisatorischen Charakter?
 
  Andreas Winroth beginnt seine Ausführungen schon in der Einleitung bei einem Gelage in einer Wikinger-Halle, denn dort nahmen auch die Wikinger-Überfälle auf Europa ihren Ausgang. In der Halle kämen nämlich alle Geschichtsstränge zusammen – Politik, militärische Fähigkeiten, Handel, Ackerbau, Abenteuer, Religion, Kunst, Literatur und vieles mehr, so Winroth. Auch die Beschäftigung mit den Wikingern ist volle Zwiespalt, denn einerseits würde man Mitleid mit ihren Opfern empfinden, andererseits Bewunderung für deren Stärke, Mut und Männlichkeit. Auch ihre Rezeption ist geprägt von Widersprüchen: Sie eröffneten die Handelswege und –routen nach Zentralasien und zum arabische Kalifat der Abbasiden und stellten über die Seidenstraße auch Verbindung zu China her, das stimmt, aber dass sie Helme mit Hörnern trugen ginge eher auf Richard Wagners Ring der Nibelungen zurück als die tatsächliche Historie, so Winroth.
 
  Das Mittelalter war aber insgesamt eine gewalttätige Zeit, denn Gewalt spielte eine entscheidende Rolle bei der politischen Ökonomie aller Länder jener Zeit. Winroth will zeigen, dass – auch wenn sie vornehmlich „weiche“ Ziele wie ungeschützte Klöster und Kirchen überfielen – sie dennoch nicht grausamer oder mutiger als andere Zeitgenossen – etwa der Franke Karl der Große – waren. Dieser habe sogar „in sehr viel breiterem Ausmaß getötet und geplündert als die Angreifer aus dem Norden“, so Winroth. In Skandinavien habe die Kultur (Bildende Kunst, Literatur und Religion) viel üppiger geblüht als im Rest Europas und viele seien auch ausgewandert um zu siedeln und damit auch zu zivilisieren, was damals noch unbekannte Regionen der Welt waren. Die einzelnen Kapitel beschäftigen sich u.a. mit den Röriks, den Schiffen, den Häuptlingen, der einheimischen Farm, der Religion der Nordmänner und mit Kunst und Literatur. Bilder und Karten sowie Anmerkungen zu den Quellen erweitern das Angebot der sehr interessanten Lektüre.

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