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Herfried Münkler
Der Dreißigjährige Krieg
Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648

Rowohlt
2017
976 Seiten
ISBN-13: 978-3871348136
€ 39,95


Von Alfred Ohswald am 05.11.2017

  Nachdem der Professor für Politwissenschaft Herfried Münkler bereits 2014 anlässlich 100 Jahre seit Beginn des 1. Weltkrieges schon ein ausgesprochen erfolgreiches Buch geschrieben hat, machte er das jetzt auch anlässlich 400 Jahre Beginn des dreißigjährigen Krieges 2018.
  Dass er eigentlich kein gelernter Historiker ist, merkt man kaum. Höchstens, wenn er sich nicht ganz ungerne was-wäre-wenn-Gedankenspiele erlaubt und ab und an die Handlungen der Beteiligten bewertend kommentiert.
  Wer noch über kein Grundwissen über den dreißigjährigen Krieg verfügt, sollte eher die Hände von dem Buch lassen. Münkler schreibt nicht für Leser, die sich erst eine gewisse Orientierung in dieser Materie verschaffen wollen. Es ist also hauptsächlich mehr, teilweise durchaus eigenwilliger Kommentar zum Thema denn Grundlagenwerk, wie etwa Peter H. Wilsons 2009 erschienenes und kürzlich ins Deutsche übersetztes Werk. Besonders die Einschätzung von Personen ist da ausgesprochen heikel, aber damit hat wohl jeder Autor von Geschichtsbüchern zu kämpfen.
  Ein weiterer Punkt, warum das Buch nicht unbedingt für Leser geeignet ist, die sich erst Mal grundlegend informieren wollen und nicht aus einem akademischen Umfeld stammen, ist die Verwendung doch recht exotischer Fremdwörter durch Münkler. Begriffe wie „Possedierende“, „Defensionsregelungen“ oder „Revirements“ passen wohl eher zu einem akademischen Diskussionsbeitrag als zu einem populärwissenschaftlichen Buch. Glücklicherweise kommt das aber nur ausgesprochen sporadisch vor. Sicher sollte das im Zeitalter der Suchmaschinen im Internet kein unüberwindliches Hindernis darstellen, aber lästig ist es doch.
  Teilweise beschreibt er die Ereignisse auch nicht streng chronologisch, so wie sie sich ereignet haben. So steht, bei der Thematik nicht ungewöhnlich, der Prager Fenstersturz 1618 ziemlich am Anfang, allerdings deutlich vor dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit 1609, nur um dann zeitlich wieder zu 1619 zurück zu springen. Aber das ist nur am Anfang der Fall, später hält sich Münkler durchaus in etwa an den Zeitablauf.
  Auffällig ist auch noch, dass viele von Münkler angegebene Quellen schon reichlich Jahre auf dem Buckel haben, aber andererseits ist das beschriebene Geschehen auch schon einige Zeit her.
  Wer also schon über Grundwissen zur Thematik verfügt und dieses Wissen vertiefen möchte und den einen oder anderen interessanten Gedanken dazu lesen möchte, wird mit diesem doch recht voluminösen Wälzer vermutlich seine Freude haben.
  Übrigens: Ein gerne, beileibe nicht nur von Münkler, angeführter Vergleich des dreißigjährigen Krieges mit manchen religiös motivierten Kriegen im heutigen Nahen Osten scheint doch in einem Punkt ziemlich weit hergeholt. Damals kämpften zumeist Söldner auf allen Seiten, für die auch ein mehr oder weniger freiwilliger Seitenwechsel kein allzu großes Problem darstellte. Selbstmordattentate wie bei vielen der fanatisierten Kämpfer im heutigen Nahen Osten wären für sie undenkbar gewesen. Dagegen hatten sie kaum Interesse an der Verwaltung bestimmter eroberter Gebiete, wie heute etwa die Kurden oder der IS.

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