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Stewart O’Nan
Sommer Der Züge

Rowohlt
2000
476 Seiten
DM 18,90


Von Claudine Borries am 08.11.2000

  Das Buch wird von vielen Kritikern sehr gelobt.(Der Spiegel, Bücherjournal der ARD etc.)
  Ähnlich wie bei John Updike wird ein bürgerliches bis kleinbürgerliches Milieu in Amerika in allen Details beschrieben. Wir haben das Kriegsjahr 1943. Es gibt Großeltern, Eltern, Kinder, zuletzt auch Enkelkinder; Rennie, der älteste Sohn von James und Anne, muss nach inneren Widerständen in den Krieg. Er kommt verwundet und im Gesicht entstellt zurück. Ein guter Teil des Romans befasst sich mit seinen Kriegserfahrungen und Erlebnissen. Auch er hat schon eine Frau, Dorothy, und erwartet mit ihr ein Kind.
  Das Geschehen verlagert sich aber mehr und mehr zum Großvater, der krank ist und der Pflege bedarf. Er ist der Vater von James und seiner Schwester Sarah. Das Leben aller Familienmitglieder spielt sich um den Großvater herum ab. James und seine Frau Anne kümmern sich um ihn, haben auch ihre Arbeitsplätze zum Wohnort des Großvaters hin verlagert. Sie arbeiten, pflegen den Vater, gehen ihren täglichen Pflichten nach und haben zwischendurch Affären mit anderen Partnern,-- natürlich in aller Heimlichkeit voreinander.
  Nach Rennies Heimkehr aus dem Krieg ist dieser aus dem Gleis geraten. Er trinkt viel. Seine Ehe mit Dorothy ist zunehmend von Gleichgültigkeit und Entfremdung gekennzeichnet. Dorothy leidet und sehnt sich zurück, möchte wieder glücklich sein mit ihrem Mann.
  Zwischen allen handelnden Personen gibt es noch Jay, Rennies viel jüngeren Bruder. Er bekommt vieles mit, beobachtet, hat auch seine kleinen Aufgaben und hat viele Ängste. Besonders die Kriegserfahrungen des Bruders sind für ihn furchterregend.
 
  Es ist das alltägliche Leben, das beschrieben wird,-- und so alltäglich und ein wenig langatmig kommt mir das ganze Buch auch vor. Die Öde im Leben aller Beteiligten, die seltenen Höhepunkte, das ganze Einerlei des Alltags mit geringen Freuden, vielen Verzichten, wenigen Glücksmomenten und kleinen, versteckten Sehnsüchten wird in allen Einzelheiten beschrieben.
  Das Buch entwirft ein eindrucksvolles und treffendes Porträt einer Familie des typischen Mittelstandsbürgertums in Amerika.
  Es ist Stewart O'Nan's besondere Fähigkeit, die psychologischen Feinheiten im Denken und Fühlen ganz einfach strukturierter Menschen sehr gut zu verstehen und zu beschreiben. Das gelingt ihm auch mit diesem Buch.

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