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Fred Dewilde
Bataclan
Wie ich überlebte
(Mon Bataclan)

Panini
2017
Übersetzt von Bettina Frank
50 Seiten
ISBN-13: 978-3741604430
€ 16,99


Von Alemanno Partenopeo am 24.09.2017

  In der vorliegenden Graphic Novel geht es um die Verarbeitung der schrecklichen Ereignisse vom 13. November 2015 im Batclan in Paris, als ein Konzert der Garage Rock Band Eagles of Death Metal von Terroristen überfallen wurde. Im ersten Teil werden die traumatischen Erlebnisse des Autors und Zeichners in Zeichnungen verarbeitet, der zweite Teil „Zurück ins Leben“ widmet sich dann der Aufarbeitung des Traumas in schriftlicher Form, denn mit dem Ereignis selbst war der Schrecken noch lange nicht vorbei. Mehr als ein halbes Jahr dauerte es, bis der Autor wieder richtig arbeiten konnte und sich wieder auf etwas anderes konzentrieren konnte, so lange wirkte der Schrecken noch nach, bis zum heutigen Tag, bald zwei Jahre später.
 
  Viele Verletzte und 89 Tote hinterließ der Überfall im Bataclan, aber Fred Dewilde überlebte wie durch ein Wunder. Am schlimmsten waren die Geräusche, die ihn heute noch zusammenzucken lassen. Denn gerade auf seine Ohren war er angewiesen, da er sich nicht rühren durfte und sich totstellte. Der Autor war damals Mitte 40 und lag neben einem jüngeren Mädchen, Elisa, mit dem er Informationen austauschen konnte und eine Art Schutzkokon bildete, um den Angriff zu überleben. Er – selbst Vater zweier Kinder – hätte für sie die Vaterrolle übernommen und das hätte aber auch ihm geholfen. Seit dem Überfall ist er geistig wie paralysiert: er kann keine Entscheidungen mehr treffen, schon gar nicht solche, die Konsequenzen haben. „Ich kann mich nur ein paar Minuten auf eine Sache konzentrieren. Ich bin ein Goldfisch, der im Glas seine Runden dreht, mit der Sonne als einzigem Anhaltspunkt.“
 
  „Zeichnen hat mich besser befreit als reden. Meine Zeichenstriche konnte ich weniger kontrollieren als meine Aussagen. Ich war weniger zurückhaltend – und ein Bild gibt immer mehr preis als Worte.“ Geholfen habe ihm letztlich vor allem die Arbeit und seine Familie, die Menschen um ihn, die ihn lieben. Aber auch Didi, der arabische Türsteher, der viele Menschen einfach nur dadurch rettete, dass er die Notausgänge öffnete. Nach Bataclan wurden die Traumata durch jeden weiteren Terroranschlag (Brüssel, Nizza) erneut wieder ausgelöst. Die Graphic Novel ist all jenen gewidmet, die an jenem Tag nicht entkommen sind aber auch all jenen die entkommen sind: ihnen will der Autor einen Ausweg aus dem Trauma anbieten und vielleicht kann es durch gemeinsame Trauerarbeit überwunden werden, was auch heute, zwei Jahre später, für ihn und die Welt immer noch unglaublich erscheint: dass wir uns auch mitten in Europa im Krieg befinden.

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