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Milo Manara
Der Goldene Esel - Pandoras Augen

Panini
2017
Übersetzt von Michael Bregel
128 Seiten
ISBN-13: 978-3741604560
€ 29,99


Von Alemanno Partenopeo am 20.09.2017

  Der italienische Comiczeichner Milo Manara hat immer wieder seine Liebe zum Kino bewiesen und durch seine Freundschaft zum dem Regisseur Federico Fellini auch dessen Einflüsse gerne übernommen. So handelt es sich beim dem Projekt „Der goldene Esel“ eigentlich um eine Episode aus Fellinis Satyricon, das wiederum die antiken Schriften des Titus Petronius Arbiter zum Vorbild hatte, der den ältesten Roman in lateinischer Sprache verfasst hatte. Die kompelxe und bissige Satire des Petronius stellte das alltägliche Leben im antiken Rom in das Zentrum seiner Betrachtungen. Ein anderer Einfluss sind die Metamorphosen von Apuleius, der besonders durch die Geschichte über Gott Amor und die Königstochter Psyche bekannt wurde. Es erinnert an das gleichnamige Werk von Ovid, in dessen Metamorphosen ebenso wie bei Apuleius die Verwandlungen von Menschen in Tiere thematisiert wird, so das Vorwort zu vorliegender Publikation.
 
  In der Rahmenhandlung des „goldenen Esels“ wird von den Abenteuern des jungen Lucius erzählt, der durch eine Hexe in einen Esel verwandelt wurde. Manara erzählt die Geschichte in Anlehnung an seinen Freund Fellini, aber auch die Einflüsse von Georges Pichard, werden spürbar, der sich ebenfalls schon in Comicform mit der antiken Thematik auseinandergesetzt hatte. In der zweiten Geschichte in dieser Werkausgabe der Werke von Milo Manara bei Panini Comics, Pandora’s Augen, ist eine junge Frau im Mittelpunkt der Erzählung, die aufgrund ihrer Wutausbrüche, die Sorgen ihrer Eltern verursacht und so von diesen in Therapie geschickt wird. Gerade als es ihr endlich besser zu gehen scheint und sie zudem noch ihren 18. Geburtstag feiert, wird sie von unbekannten Verbrechern entführt, aber ihr im Rollstuhl sitzende Vater hat bereits einen Verdacht, wer für das Kidnapping seiner Tochter verantwortlich sein könnte. In der Türkei angekommen, wird Pandora aber nicht nur von den ursprünglichen Entführern gejagt, sondern auch von rachsüchtigen Bediensteten ihres echten Vaters. Vincenzo Cerami, der schon bei Das Leben ist schön von Roberto Benigni mitarbeitete, hat in Pandora’s Augen sein Comic-Debüt vorgelegt, denn Manara arbeitete mit ihm ein „abenteuerliches Gewirr, das den Schwung und die Eleganz des Zeichenstils des Meisters ins perfekte Licht rückt“, so die Herausgeber. Pandora, „wie die mit der Büchse voll Unheil“ handelt ganz so, wie es sich Manara vorgestellt hat, denn Cerami lässt sie durch die enge Altstadt Ankaras in einem kurzen Kleid schreiten, als wäre sie des Sultans erste Haremsdame. Verfolgungsjagden und witzige Szenen wie die mit dem Polizeikommissar, dem die Hemdknöpfe abspringen zeigen, dass die Gene vielleicht doch mehr durchschlagen als die Sozialisation, denn Pandora hat doch mehr von ihrem leiblichen Vater als von dem, mit dem sie 18 Jahre aufgewachsen ist. Eine Geschichte über die Kraft der Gene und die vermeintliche Macht der Sozialisation. Irgendwie also auch eine Metamorphose.

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