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Colson Whitehead
Underground Railroad
(The Underground Railroad)

Hanser
2017
Übersetzt von Nikolaus Stingl
352 Seiten
ISBN-13: 978-3446256552
€ 24,-


Von Alfred Ohswald am 15.09.2017

  „Underground Railroad“ ist der aktuell große amerikanische Roman über das Schicksal der Sklaven. Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter den Pulitzer Preis 2017, erzählt er das Schicksal der Sklavin Cora. Am Anfang steht noch eine kurze Erzählung über Coras Großmutter und ihr Weg von Afrika in die Sklaverei. Cora wuchs auf der selben Baumwoll-Farm auf, auf der ihre Großmutter einst landete. Als es dort zunehmend grausamer zugeht, beschließt sie mit einem anderen Sklaven namens Caesar zu fliehen. Caesar hat schon Unterstützung organisiert und ermöglicht ihnen die Benutzung der „Underground Railroad“. Zuerst vom restriktiven Georgia ins vermeintlich tolerante South Carolina, wo sie ihre Identität wechselten und einer regulären Arbeit nachgehen konnten. Bald darauf landet sie in North Carolina, wo entflohene Sklaven sehr intensiv verfolgt werden. Hier bekommt sie auch eine Straße zu Gesicht, die von Bäumen mit daran gehängten Schwarzen gesäumt ist. Die Szene erinnert an das Ende des Filmes Spartakus, nur dass es da gekreuzigte Sklaven sind.
  Abgesehen von der sehr gut lesbaren, geradlinig erzählten Geschichte Coras, die sich ja so oder so ähnlich tatsächlich zugetragen haben könnte, benutzt Whitehead einen eher überraschenden, literarischen Kniff. Die titelgebende „Underground Railroad“ ist rein fiktiv. Diese unterirdische Eisenbahn, die sich über weite Teile der USA erstreckt und ausschließlich der Flucht von Sklaven dient, hat natürlich nie existiert. Man könnte sie als Metapher für organisierte Fluchthelfer ansehen. Aber warum daraus ein unterirdisches Eisenbahnnetz konstruieren, bleibt einigermaßen rätselhaft. Vielleicht dient es als literarisches Mittel, um die Helden rasch von einem Ort zum anderen zu bringen. So bleibt mehr Platz für die Beschreibung der jeweiligen Örtlichkeiten und es beschleunigt generell das Tempo des Romans. Andererseits, warum nicht. Wenn der schwarzen Bevölkerung praktisch eine eigene Geschichte vorenthalten wurde, kann sie sich durchaus eine selbst konstruieren.
  Allzu sensibel sollten die Leser allerdings nicht sein, denn bei der Beschreibung einiger Bestrafungen geht es teilweise sehr grausam zu.
  Dem Eindruck des unmenschlichen Schicksal der Sklaven bestätigt das natürlich, wenige Leser werden davon unbeeindruckt das Buch aus der Hand legen. Ein lesenswertes Buch, wenn auch in der öffentlichen Bewertung vielleicht da und dort ein klein wenig überschätzt.

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