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Mohammed Mrabet/ Paul Bowles
Der Ameisendompteur

Maro
1994
DM 22,-


Von Volker Frick am 01.11.2000

  In den Romanen von Paul Bowles trifft der nordamerikanische Way of Life auf die nordafrikanische Welt. Seit 1952 hat der Titan von Tanger Erzählungen marokkanischer Schriftsteller aufgezeichnet und ins Englische übersetzt. Neben den Geschichten von Driss ben Hamed Charhadi (alias Larbi Layachi), Mohamed Choukri, Ahmed Yacoubi (1985 verstorben) und Abdeslam Boulaich (alias Abdelquader ben Mohammed el Fahsi) sind es überwiegend die Geschichten von Mohammed Mrabet, die Paul Bowles ins Englische überträgt. Mittlerweile liegen auf deutsch sieben Bücher von Mrabet vor, Erzählungen und Romane. Paul Bowles erzählt: Ich wurde von Tahar Ben Jelloun angegriffen. Er warf mir in Le Monde vor, die Geschichten zu arrangieren, und sogar, den Namen Mrabet erfunden zu haben.
  Mohammed Mrabet wurde vor 1940, dem Beginn der Geburtenregistrierung, geboren, hat angeblich mehr als zwanzig Geschwister, ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Er arbeitete als Fischer, Hotelangestellter, Barmixer. Er ist Analphabet, und Autodidakt der spanischen Sprache. Und er ist ein einzigartiger Erzähler. Und immer spielt das, was manchenorts unscharf als Volksislam bezeichnet wird, und sich in diesem Ausmaß nur in Marokko findet, eine herausragende Rolle. Da wird Gift ins Essen gemischt, altes Öl zur Heilung getrunken, Messer werden vergraben, da gibt es affarits und djenoun. Diese magische Welt ist ganz selbstverständlich Bestandteil der Alltagswelt.
  Der Ameisendompteur enthält neun virtuos improvisierte Geschichten, die erzählen, von einer marokkanischen Wirklichkeit, welche einfach phantastisch in mystische Dimensionen gehoben wird. Keiner versteht eine Wüste, aber es gibt eine Wahrheit für jeden. Und dann, weitergeblättert: Die Erde. Ya salamm! Ein Theaterstück! Zwei Männer sitzen sich in einem Zimmer gegenüber, rauchen und erzählen, rauchen mehr und erzählen. Ihre Frauen schauen herein: Sie spinnen. - Alle beide. Die Männer rauchen und erzählen, fünf Szenen hindurch. Ein Theaterstück, das gänzlich von der Bewegung des Erzählens lebt, und in diesem Erzählen eben die Bewegung des Erzählens zu Gehör bringt. Du irrst! Das sind keine leeren Worte. Ich bin alt und tief, aber wenn ich mich bewegen will, kann ich es. - Am Ende wird das geschehen, was geschehen muss, weil es geschrieben steht. - Alles ist weiß, und das Glück liegt mitten im Weiß. Mohammed Mrabet ist kein unbeschriebenes Blatt. Angenehme Lektüre, vom Anfang bis zum Ende.

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