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Monikas Geier
Alles so hell da vorn

Argument Verlag
2017
352 Seiten
ISBN-13: 978-3867542234
€ 13,-


Von Hans Durrer am 30.08.2017

  Dies ist mein erster Monika Geier-Krimi und bereits nach ein paar Seiten bin ich wild entschlossen, ihn definitiv zu mögen, ja mehr, ihn gut zu finden. Das hat mit der Seite 9 zu tun, auf der geschildert wird, wie die Protagonistin mit dem Rauchen aufgehört hat. Wie? „Ganz einfach so. Sie, Kriminalkommissarin Bettina Boll, hatte gedankenlos eine Kippe nach der anderen geplotzt, seit sie zwölf war, denn da waren ihre Eltern gestorben. Jetzt rauchte sie nicht mehr. Das war alles. Einen Entschluss dazu hatte sie nicht gefasst. Es war nur einfach nicht mehr notwendig.“
 
  Wer so schreibt, hat nicht nur viel Witz von der Sorte, die mir gefällt, sondern versteht auch etwas von Sucht (und vom Leben), denn besser als mit „Es war nur einfach nicht mehr notwendig“ kann man das Ende einer Sucht (und den Anfang eines neuen Lebens) nicht beschreiben.
 
  In der „Sexy Bar“, einem Bordell im Vorort eines Frankfurter Vororts, wird ein Kunde erschossen – Bettina Bolls Kollege Ackermann. Die Täterin ist schnell ausgemacht – eine junge Zwangsprostituierte, die sich Manga nennt, flüchtig ist und kurz darauf in einer Dorfsturnhalle, wo Lehrer, Kinder und Eltern gerade einer Vorführung der Polizeipuppenbühne des Polizeipräsidiums Westpfalz zuschauen, den Schuldirektor Gutvatter erschiesst.
 
  Den Plot fand ich eher so so, das Buch hingegen super. Das liegt daran, dass Monika Geier wunderbar erzählen kann, und spannend darüber hinaus, Krimigefühle kamen zunächst jedoch nicht auf. Weil Krimi für mich Page-Turner bedeutet und zu einem solchen wird „Alles so hell da vorn“ erst in der zweiten Hälfte, wo die Geschichte gehörig Fahrt aufnimmt. Doch ich will nicht meckern, denn das ist ein sehr gelungenes Buch.
 
  Ein aktuelles Sittengemälde ist es, das besser als jede Sozialstudie vermittelt, wie Leute miteinander umgehen, wie sie reden, denken, was sie umtreibt, was auf der Welt los ist. Der Verlag sieht das offenbar anders, ganz anders, sonst hätte er kaum diesen Satz aus einer Besprechung auf der vierten Umschlagsseite platziert: „Leicht streift Geier den Zwang zur Wirklichkeitsstreue ab, ohne das Geisterbahngetröte aufgeregter Metzelthriller: Bettina Boll leistet an halben Tragen ganze Arbeit.“ Am Rande: Was um Himmels Willen sind bloss Geisterbahngetröte und Metzelthriller?
 
  Monika Geier schaut den Leuten aufs Maul und lässt sie immer mal wieder ganz wunderbar exotisch-reale Dialekte reden. Überhaupt kennt sich diese Autorin im wirklichen Leben aus, mit den Tücken des Alltags, mit den Anstrengungen und Freuden alleinerziehender Mütter, mit dem Leben in Pirmasens. „In Primasens war es dann so, wie es eben ist, wenn Drama auf Bürokratie stösst: irgendwie unbefriedigend.“ Darüber hinaus ist sie eine eigenständige Denkerin. „Vielleicht war das, was posttraumatische Belastungsstörung genannt wurde, ja nur ein ganz natürliches Innehalten nach einer Krise. Eine plötzliche Weitsicht, gesunde Unzufriedenheit mit einem fehlerhaften System. Die dazu führte, dass man wirklich krank wurde, wenn man nichts änderte.“
 
  „Alles so hell da vorn“ ist ein echt tolles Buch!

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