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James Rayburn
Sie werden dich finden
(The Truth Itself)

Tropen
2017
Übersetzt von Ulrike Wasel
400 Seiten
ISBN-13: 978-3608503784
€ 14,95


Von Hans Durrer am 25.08.2017

  James Rayburn alias Roger Smith, lese ich auf dem Klappentext und wundere mich, weshalb ein Mann ein Peudonym benutzt, wenn es gleich wieder gelüftet wird. Andererseits kann man natürlich verstehen, dass jemand mit einem Allerweltsnamen wie Roger Smith gerne anders heissen will, nur dass das im Falle von diesem Roger Smith überhaupt keinen Sinn macht, denn dieser Roger Smith ist unter diesem Namen als ganz ausgezeichneter Krimiautor hervorgetreten.
 
  Es ist also alles Namensmässig einigermassen kompliziert, doch wie auch immer: Nicht nur Roger Smith schreibt gute Krimis, James Rayburn ebenso. Und geändert hat sich, dass Herr Smith jetzt nicht mehr in Kapstadt, sondern in Thailand lebt und arbeitet, weshalb denn auch „Sie werden dich finden“ zum Teil in Thailand spielt. Und, wie kommt das Land rüber? Hauptsächlich als exotische Staffage, Thais kommen darin kaum vor. Und als handelnde Personen fast überhaupt nicht.
 
  Der Auftakt zu diesem Thriller ist absolut super und soll hier natürlich nicht verraten werden. Auch die Handlung kurz nachzuerzählen, finde ich keine gute Idee, denn der Witz bei Thrillern ist ja der, dass man sie nicht zuletzt deswegen liest, weil man nicht weiss, was da auf einen zukommt.
 
 Hier also nur soviel: Kate Swift hat sich bei der CIA unbeliebt gemacht und ist abgetaucht. Doch ihr Cover fliegt auf und sie ist somit wieder in Gefahr von ihrem früheren Widersacher in der CIA zu Strecke gebracht zu werden. Sie muss fliehen, zusammen mit ihrer Tochter. Und landet in Phuket, wo sie sich von einem Ex-CIA-Mann Hilfe erhofft, der zurückgezogen lebt und versucht, nüchtern zu leben und seine innere Ruhe zu finden.
 
  Was „Sie werden dich finden“ wesentlich ausmacht, ist des Autors Händchen für Spannung. Der Mann weiss ganz einfach, wie man sie durchhält. Anders gesagt: James Rayburn alias Roger Smith versteht sein Handwerk, er ist ein Profi.
 
  „Sie werden dich finden“ ist auch reich an cleveren Lebenseinsichten. So wird etwa Lucien Benway, der Gegenspieler von Kate Swift, als einer geschildert, „der seine Soziopathie im übersteigerten Nationalstolz der Reagan- und Bush-Ära verbarg.“ Und die Frau eines Journalisten wird so charakterisiert: „Janey wandte sich ab und trank ihren Martini, während sie zusah, wie Flugzeuge vom Reagan National Airport starteten, hoffte, dass der Alkohol die namenlose Angst wegspülen würde, die in ihrem Innern lauerte.“
 
  Zudem: Die action-reiche Handlung ist durchzogen mit Bezügen zu Leuten, deren Bücher ich mag: Graham Greene, Joan Didion. Thomas Merton. Über letzteren erfahre ich, dass er wegen seiner Kritik am Vietnamkrieg womöglich von der CIA in Bangkok umgebracht worden ist.
 
  Und nicht zuletzt gibt es da auch so ganz wunderbare Dialoge wie diese:
  „Da schau her“, sagte Jones mit seinem gepressten Kiwi-Akzent, „eine Schönheit.“
  „Danke.“
  „Bedank dich nicht bei mir, Darling, bedank dich bei dem Genpool, aus dem du rausgepaddelt bist.“
 
  „Bereust du irgendwas?“
  „Menschenskind, mein Mann ist tot.“
  „Ich meine nicht, was dir angetan wurde, so schmerzlich das auch ist.“ Er sah sie an. „Ich meine, was du getan hast.“
 
  Fazit: Fesselnd und smart.

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