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Luca D'Andrea
Der Tod so kalt
(La sostanza del male)

DVA
2017
Übersetzt von Verena v. Koskull
480 Seiten
ISBN-13: 978-3421047595
€ 14,99


Von Hans Durrer am 17.07.2017

  Der Dokumentarfilmer Jeremiah Salinger zieht mit Frau und Tochter von New Jersey nach Südtirol, der Heimat seiner Frau Annelise. Und stösst da auf ein lange gehütetes Geheimnis.
 
  Tagelang hatte im April 1985 ein gewaltiges Gewitter gewütet, drei junge Einheimische waren von einer Wanderung nicht zurückgekeht. Als man sie schliesslich fand, waren sie aufs Brutalste entstellt.
 
  Im Dorf kennt jeder jeden. Und jeder weiss über jeden Bescheid. Und alle wollen das Bletterbach-Massaker vergessen. Doch Salinger, der Zugereiste, stellt Fragen. Das hätte er besser gelassen, denn ein Fluch scheint auf der Bletterbach-Schlucht zu liegen. Doch Salinger ist besessen von dem Fall, stürzt sich darauf wie ein Kind, ohne die Konsequenzen zu bedenken.
 
  Werner, Annelises Vater, ist bereit, Jeremiah zu erzählen, was damals geschah. Genauer: „Niemand weiss genau, was damals geschah. Ich kann dir nur das erzählen, was ich gesehen und getan habe.“ Dass auch er, der bei der Suche nach den Verschollenen mit dabei gewesen ist, bis fast zum Schluss nicht weiss, was wirklich vorgefallen ist, spricht für das Erzähltalent des Autors, dem sein Erstling einen Riesenerfolg beschert hat: die Übersetzungsrechte haben sich in 35 Länder verkauft.
 
  Wie bei allen guten Krimis (und „Der Tod so kalt“ ist ein guter Krimi) lernt man auch einiges über die Gegend, in der er spielt. „Der Fels dieser Gegend und der gesamten Dolomiten besteht aus einem seltsamen Kalkstein-Magnesium-Gemisch, ein mürber Stein, in den der Bach einen Canyon geschnitten und dabei tonnenweise Fossilien zutage befördert hat: Muscheln, Ammoniten (wie Yodi) und Reste von Fauna und Flora, bei denen man vor Staunen Gänsehaut kriegt und einem die Kinnlade herunterfällt.“
 
  „Der Tod so kalt“ informiert auch über das Perm (eine Zeit von vor zweihundertfünfzig bis zweihundertneunzig Millionen Jahren), in dem das grösste Massensterben in der Geschichte unseres Planeten stattfand. Damals verschwanden weit mehr als fünfzig Prozent aller Lebewesen. Doch woran lag es, dass fünfzig Prozent überlebten? Weil es ökologische Nischen gab, sagt eine Theorie. Handelt es sich bei der Bletterbach-Schlucht etwa um eine dieser Nischen? Und falls ja, gibt es da etwa noch Riesenskorpione aus jener Zeit?
 
  Dem Autor Luca D'Andrea, 1979 in Bozen geboren, gelingt die Schilderung der wilden, dem Menschen immer wieder Angst einjagenden Bergwelt („Die Feindseligkeit der Bletterbach-Schlucht. Feindseligkeit und Alter. Ein Millionen Jahre alter Friedhof unter freiem Himmel, auf dem monströse Wesen ihr Leben ausghaucht hatten.“) ganz hervorragend. Dass es da auch uns unbekannte Wesen geben könnte, hält man am Ende der Geschichte gar nicht mehr für unwahrscheinlich.
 
  Auch der smarte Humor kommt nicht zu kurz. Etwa hier: „Den restlichen Nachmittag über war ich engelsgeduldig, bestens gelaunt und kein bisschen ich selbst.“ Oder hier: „Da ich gut die Hälfte meines Lebens gegen meinen Vater rebelliert und die andere Hälfte damit zugebracht hatte, festzustellen, wie ähnlich ich ihm war, wusste ich, wovon Werner sprach.“
 
  „Der Tod so kalt“ ist nicht nur ein packender Thriller, sondern auch die überzeugende Schilderung einer Obsession, bei der man erst auf den letzten Seiten erfährt, ob es zu einem Happy End kommt..

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