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Neil Gaiman
Nordische Mythen und Sagen
(Norse Mythology)

Eichborn
2017
Übersetzt von André Mumot
256 Seiten
ISBN-13: 978-3847906360
€ 22,-


Von Alfred Ohswald am 21.06.2017

  Natürlich handelt es sich bei dieser Umsetzung nicht um eine auch nur annähende komplette Wiedergabe dieser nordischen Mythen. Als Quelle dafür benutzt Gaiman die Edda, wobei er sich aus ihren beiden Varianten, der Prosa- und der Lieder-Edda gleichermaßen bedient. Wer also den ursprünglichen Text unverfälscht lesen will, kann sich dort bedienen. Aber das ist kein einfacher Lesestoff!
  Ein wenig erinnert „Nordische Sagen und Mythen“ etwas an Michael Köhlmeiers Sendung „Mythen“ auf BR alpha (Heute ARD-alpha), in der er die griechischen Sagen nacherzählt. Im Übrigen eignen sich Gaimans Nacherzählungen auch ein wenig als Hintergrundlektüre für die aktuell im Amazon-Streamingdienst laufende Serie „American Gods“ und natürlich auch für alle Fans Tolkiens, die sich für die Hintergründe des Herrn der Ringe interessieren.
 
  Das Ganze wird in einzelnen, zumindest halbwegs abgeschlossenen Kapitel erzählt, wobei es natürlich mit der Erschaffung der Welt beginnt, wobei Midgard, die Welt der Menschen nur einen Teil ausmacht. Die Schöpfung ist dabei ähnlich komplex wie die Schöpfung in der griechischen Mythologie. Dann geht es in einigen Kapiteln darum, wie die verschiedenen Götter ihr berühmten, mächtigen Gegenstände erhielten. Natürlich darunter Mjöllnir, Thors legendärer Hammer, Odins Speer Gungnir oder Heimdalls Horn Gjallarhorn, mit dem er die Götter zu Ragnarök, der letzten, vernichtenden Schlacht wecken wird.
  Wer etwa Thor nur aus den Marvel-Comics beziehungsweise ihren Verfilmungen kennt, wird sich wahrscheinlich über den ausgesprochen gewalttätigen und nicht unbedingt sympathischen Charakter wundern. Die anderen Götter entsprechen hingegen mehr ihrem Klischeebildern. Neben den Asen gibt es übrigens eine zweite, friedlichere aber ebenbürtige Gruppe von Götter, die Vanen. Beide führten einst gegeneinander Krieg, schlossen aber dann doch Frieden.
  Natürlich gibt es dann noch alle möglichen anderen Wesen, wie die Dunkelalben oder Zwerge, die den Göttern meist feindlich gesinnten Riesen in zahlreichen Varianten und zahllose weitere magische Wesen, wie die Midgardchlange, den Fenriswolf, der riesige Hund Garm, der goldene Eber Gullinborst, Heidrun die Ziege, das Eichhörnchen Ratatosk und zahllose andere mehr.
 
  Das Gaiman packend zu erzählen versteht, hat er bereits viele Male bewiesen. Allerdings kann er hier zwei seiner Stärken, das Schaffen phantastischer Hintergründe und ebensolcher Geschichten leider nicht zeigen. Dieses Buch ist für Leser ideal, die sich die nordischen Mythen in angenehm zu lesender Form zu Gemüte führen wollten. Wer einen von Gaimans genialen Romanen erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein.

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