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Laurent Galandon / Frederic Blier
Der Riese und die Nackttänzerin
Die Traumfabrik 1
(La Parole du Muet 1)

Panini
2017
Übersetzt von Annabellle Steffes
56 Seiten
ISBN-13: 9783741602481
€ 14,99


Von Alemanno Partenopeo am 28.05.2017

  „Mein Gott, womit haben wir einen solchen Sohn verdient?“, hört Célestin seine Mutter zu seinem Vater durch den Kamin sagen und noch in derselben schneebedeckten Winternacht packt der junge Mann seine Koffer und macht sich auf die Reise in die Großstadt, denn er hat einen Traum, der den engen Rahmen seiner Kindheit ohnehin sprengen würde: Célestin will Regisseur werden! Anatole, ein Freund der Familie in Paris, rät ihm aber vorsichtig mit seinem Traum zu sein, denn ein leidenschaftlicher Regisseur macht noch keinen guten Regisseur. Anatole weiß wovon er spricht. Er ist Filmvorführer in einem Stummfilmkino, wie es damals, in den Zwanzigern, schon einige Dutzend gab. „Die Welt des Kinos hat sich verändert“, sagt Anatole, „Die Zeit der Bastler und Erfinder ist vorbei. Mélies ist verschwunden. Heutzutage ist es eine Industrie...Es geht nur noch ums große Geld!“ Wenn Anatole nur wüsste, wie es 100 Jahre später um das Kino bestellt ist!
 
  Anstatt sein Leben zu träumen, sollte man seinen Traum zu leben und so macht sich Célestin - Anatoles Worte eingedenk – daran, seinen eigenen Weg zu Ende zu gehen und sich sein Sporen zu verdienen, denn wer es zu etwas bringen will muss sich zuerst von seinen Wurzeln lösen. Initiativ geht er an’s Werk und heuert bei einer Filmproduktion an, wo er der Schauspielerin ein Bonbon für ihre trockene Kehle anbietet und durch seine freundliche und zuvorkommende Art bald weitere Herzen gewinnt. „Ich kenne die Männer“, sagt sie zu ihm, „Ich kann in ihren Augen lesen. Und ich erahne sehr oft, welche Gedanken sich dahinter verstecken. Bei dir sehe ich nur ... Wohlwollen.“ Als Anatole wegen pornographischer Vorführungen einer geheimnisvollen Fremden nach Roquette – das Alcatraz Frankreichs – muss, übernimmt Célestin die Verwaltung und Buchhaltung. Aber dann begegnet er ihr – stiehlt ein Lastenfahrrad und verfolgt sie bis vor ihre Haustür, wo sein Mut ihn dann verlässt.
 
  „Spontanität und Natürlichkeit sind die Schlüssel zum Erfolg bei Frauen“, rät ihm ein Bekannter und bald lernt er sie tatsächlich kennen und gewinnt sie als Hauptrolle für seinen eigenen Film. Ein Comic, der zur Zeit der Erfindung des Kinos spielt und die Zeitgenossen Lumières, Charles Pathé, Leon Gaumont und Georges Méliès wiederauferstehen lässt. Anfangs wurden Filme nach an Kirmesschausteller verliehen und erst ab 1897 begannen Gaumont und Pathé damit Filme zu produzieren und die ersten Kinos zu eröffnen, erfährt man in der „Geschichte der Kinematographie“ im Anhang des vorliegenden Comics. In Amerika produziert das sagenumwobene Hollywood ab 1915 durch Universal und Warner Bros ab 1923, sowie MGM ab 1924. Die Zeichnungen des Comics erinnern an die Kinomalereien der Jahrhundertwende und sind voller liebevoller Details. Ein ansprechender Comic dessen Fortsetzung schon mit Spannung erwartet wird.

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