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Janis Otsiemi
Libreville

Polar Verlag
2017
Übersetzt von Caroline Gutberlet
224 Seiten
ISBN-13: 978-3945133439
€ 14,-


Von Hans Durrer am 14.04.2017

  Das nicht so Tolle zuerst: Von sprachlicher Meisterschaft zeugt dieser Kriminalroman nicht unbedingt. Und von überbordendem Einfallsreichtum auch nicht. Sowohl am Monat wie auch am Dienstag (wie die beiden ersten Kapitel überschrieben sind) „befreit sich“ Libreville des Morgens „aus den Fängen der Nacht“. Andererseits sind die sprachlichen Eigenheiten aber eben auch ziemlich speziell und lustig. „Ein Kerl so lange wie ein Tag ohne Brot stieg aus.“ „Das sprang einem in die Augen wie die Nase mitten im Gesicht.“ „Meine Hochachtung, Capitaine!, rief Ella, wie immer aufrecht wie eine Fahnenstange, aus.“ Manchmal aber auch etwas sehr ungelenk (etwa: „Die gesamte profiteurfreundliche Presse“ oder: „könnte das bei der Beerdigung die Lunte ans Pulverfass legen.“).
 
  Wirklich gut gefallen an „Libreville“ haben mir die vielfältigen Infos über Gabun und die Gabuner.
 „Boukinda war ein echter Gabuner. Wie die meisten seiner Landsleute glaubte er, ein richtiger Mann müsse einen Acker und einen Garten haben. Sprich eine Ehefrau und vorsorglich eine Geliebte – ein „Zweitbüro“, wie es so schön hiess.“ „Gabun zählte mehr als fünfzig Ethnien und Volksstämme auf einer Fläche von 267.667 Quadratkilometern.“ „... Libreville ist eine kosmopolitische Stadt. Sie zieht die Elendsexistenzen aus dem ganzen Land und den Nachbarstaaten an wie eine Kloake die Schmeissfliegen. Das nennt man Landflucht und Wirtschaftsmigration.“
 
  Die Ermittler der Polizei haben mit Verkehrsdelikten und Kleinkriminellen zu tun, doch dann wird am Strand, nahe dem Palast des Präsidenten der Republik, der Journalist Roger Missang mit durchgeschnittener Kehle sowie einer Patronenhülse in der Hosentasche gefunden – die Ermittlungen sollen offenbar in eine bestimmte Richtung gelenkt werden und wenig überraschend passiert das dann auch. Es geht in „Libreville“ um politische Macht, um Einfluss, um Korruption. Ist der Journalist womöglich Opfer eines Komplotts gegen den Verteidigungsminister? Oder hat er vielleicht mit dem Schmuggel von gefälschten Medikamenten zu tun?
 
  Parallel zur Hauptgeschichte gibt es Nebenhandlungen – um Scheckbetrüger, um einen französischen Pädophilen, um den Besitzer eines Toyota Land Cruiser, der eine Frau und ihr Baby zusammengefahren und dann Fahrerflucht begangen hat. Es gehört offenbar zu den Gepflogenheiten gabunischer Beamter, sich auf Verdächtige zu stürzen und ihnen Handschellen anzulegen.
 
  Richtige Spannung wollte bei mir zwar nicht aufkommen, doch den Lokalkolorit in „Libreville“ finde ich überaus gelungen. Und auch der eigenwillige Humor des Autors gefällt mir. Es wimmelt geradezu von originellen Ausdrücken wie „zum Bierverkauf konvertieren“ oder „das Räderwerk des Berufs erlernen“. Und auch die Situationsschilderungen sind oft witzig: „Zu dieser Stunde war die Bar kaum besucht. Kosumba ging zum Tresen. Er sah Papy von hinten über die Gefriertruhe gebeugt und klopfte auf den Tresen. Der Kameruner drehte sich um und fand sich Nase an Nase mit Koumba wieder.“ „Im Vorbeigehen griff Papy nach einem Glas und einer Flasche Likör. Er wusste, dass Koumba kein Bier trank, denn er hatte furchtbare Angst, zum Michelin-Männchen zu werden.“ Ob da Likör wirklich besser ist als Bier?
 
  „Libreville“ ist instruktiv, unterhaltsam und ziemlich schräg.

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