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Leonhard Horowski
Das Europa der Könige
Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts

Rowohlt
2017
1120 Seiten
ISBN-13: 978-3498028350
€ 39,95


Von Alfred Ohswald am 09.04.2017

  Der Untertitel trifft nicht ganz zu, der berücksichtigte Zeitraum beginnt etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts und darum spielen Ludwig XIV. und sein Hof Anfangs und auch später wieder eine sehr große Rolle. Dabei geht es mehr um die bedeutendsten Höflinge, als um den König selbst. So findet selbst ein Napoleon nur in einigen Nebensätzen Erwähnung. Die Königshäuser, um die es sich hier hauptsächlich dreht, sind Frankreich und Preußen. In späteren Kapiteln spielen natürlich auch andere Häuser die Hauptrolle. So etwa in der Mitte das England Georgs I. Und Georgs II. oder das wenig erfolgreiche Schicksal Kaiser Karl VII. Im österreichischen Erbfolgekrieg.
  War bisher das Geschehen an den Höfen und die wichtige Rolle der Adelshäuser und ihrer Verwandtschaften das Hauptthema, folgt jetzt ein Kapitel über die mörderische Schlacht bei Malplaquet im Laufe des Spanischen Erbfolgekrieges. Hier tauchen auch mit dem Herzog von Marlborough und Prinz Eugen von Savoyen zwei der wichtigsten Figuren dieser Zeit auf. Im übrigen ist das auch die erste und auch letzte Schlacht, an der der spätere Soldatenkönig Preußens Friedrich Wilhelm teilnahm. Später wird er seine geliebten Soldten nie in den Krieg führen, sehr im Gegensatz zu seinem 1,63 m großen Sohn Friedrich den Großen.
  Auch erwähnenswert ist, dass die Türkenbelagerung und die anschließenden Feldzüge gegen die Osmanen praktisch kaum Erwähnung finden. Und ebenso wenig der Großteil von Napoleons Feldzügen.
 
  Die Hauptrolle in dem Buch spielen die um das jeweilige Zentrum kreisenden Adelshäuser, die sich mit Intrigen, Heiraten oder beidem eine Position näher beim Herrscher und somit am Zentrum der Macht sichern wollen. Aber selbst im Absolutismus konnte der Herrscher nicht ohne zahllose Rücksichtnahmen auf die hochrangigen Adelsfamilien regieren. Diese wiederum stützten sich auf der einen Seite auf ihre meist zahlreichen verwandtschaftlichen Beziehungen, was sie aber andererseits nicht daran hinderte, sich in den zahlreichen dynastischen Kriegen auf unterschiedlichen, oft auch häufig wechselnden Seiten gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Denn am Ende war die kriegerische Betätigung die aus ihrer Sicht eigentliche berufliche Bestimmung des Adels.
  Der ungewöhnlich gut lesbare und nicht selten auch ironische Erzählstil erinnert etwas an das Exposé eines Historischen Romans. Im ersten Teil etwa glaubt man sich in eine Zusammenfassung eines Romans von Alexandre Dumas versetzt. Bei der Beschreibung des Besuchs von Kaiser Josef II. bei seinem neapolitanischen Kollegien Ferdinand, der mit seiner ausgesprochen antiautoritären Erziehung ein reichlich seltsames Benehmen an den Tag legt, sorgt wiederum auf der einen Seite für eine ausgesprochen humoristische Note, und auch zum wiederholtem Male für Verwunderung um das Funktionieren derartigen Irrsinns. Selten hat man ein solch unterhaltsames Geschichtsbuch zu lesen bekommen. Nur die zahllosen Namen der adligen Protagonisten erschweren den Lesegenuss wirklich nicht unerheblich, denn auch mit Notizen für einen ausgesprochen umfangreichen Stammbaum fühlt man sich oft erinnert. Und ein gewisses Grundwissen über die Epoche ist auch nicht unbedingt von Nachteil.

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