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Paul Auster
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Rowohlt
2017
Übersetzt von Werner Schmitz, Nikolaus Stingl, Karsten Singelmann und Thomas Gunkel
1264 Seiten
ISBN-13: 978-3498000974
€ 29,95


Von Alfred Ohswald am 08.03.2017

  Diese Lebensgeschichte Archie Fergusons startet mit einem relativ – im Vergleich zur Dicke des Buches – kurzen Abschnitt über seine Vorfahren, beginnend mit der Ankunft seines Großvaters in Amerika. Es folgt seine Kindheit in den 50er-Jahren und da ereignet sich etwas, dass das zentrale Thema des Buche im Nachhinein bereits andeutet. Als sich Archie, nachdem er von einem Baum gestürzt ist, ein Bein gebrochen hat, macht er sich im Bett liegend Gedanken, wie sein Leben unter anderen Umständen verlaufen wäre. Auster entwickelt daraus konsequent vier alternative Lebensgeschichten eben dieses Archie, die er parallel erzählt. Und wie man sich beim Umfang des Buches denken kann, in ziemlicher Ausführlichkeit.
  Archie ist vielleicht ein wenig frühreif und seine Begeisterung für typisch amerikanische Sportarten wird vielen deutschsprachigen Lesern ein wenig auf die Nerven gehen. Selbst, als sich einer seiner Stiefväter als völlig desinteressiert an Sport herausstellt und man deshalb wagt, etwas aufzuatmen, findet sich sofort ein anderer sportverrückter Verwandter. Und, ja, es ist auch sonst ein dezidiert amerikanisches und – bei Auster wenig verwunderlich – über weite Strecken auch sehr spezielles New Yorker Buch.
  Und da er und viele in seiner Umgebung gebildete Jugendliche in den 60ern sind, spielen auch liberale (in Europa wären es linke) Gedanken eine nicht unerhebliche Rolle. Also jede Menge autobiographisches, wie in vielen seiner Romane. Dazu werden auch Unmengen an Filmen und Büchern genannt und – seltener – kurz kommentiert, die von all die Archies, Anfangs angeregt von seiner Tante, einer Universitätsprofessorin, konsumiert werden.
 
  Die Idee ist nicht unbedingt völlig neu. So hat etwa Stephen King 1996 mit seinen Romanen „Desperation“ und „Regulator“ (unter seinem Pseudonym Richard Bachmann) bereits eine Geschichte in zwei Varianten geschrieben, allerdings in zwei Büchern und zusammen von ähnlichem Umfang. Im Unterschied zu vielen anderen Autoren, sind die verschiedenen Abschnitte bei Auster ausgesprochen lang.
  Angenehm an Auster ist, dass er ähnlich wie viele andere amerikanische Erfolgsautoren, wie etwa John Irwing oder T. C. Boyle, in seinem Fall trotz der elend langen Sätze, angenehm unkompliziert zu erzählen versteht. Andernfalls wären die vier verschiedenen Erzählstränge mit weitgehend den selben Protagonisten noch verwirrender, als sie angesichts der gleichen Namen ab und an auch so schon sind. Da mag mancher Leser nicht gerade unglücklich sein, als einer der vier Archie Fergusons relativ früh stirbt und somit das Personalwirrwarr etwas gelichtet wird.
  Angesichts des Umfangs hätte vielleicht die eine oder andere Kürzung nicht gerade geschadet. Etwa der erste Schreibversuch des Helden über zwei Schuhe. Wie so vieles in dem Buch, ist es einigermaßen zu lang geraten.
  Viele Rezensionen bezeichnen der Roman – vermutlich angesichts des Umfangs – als Opus Magnus Paul Austers. Aber sein am besten gelungener ist er ziemlich sicher nicht. Häufig schreibt er über Romane und Filme, aber es sind immer Klassiker, die gut auch in ein Literaturseminar passen würden. Selten kommen modern Bücher oder Filme vor und – vielleicht mit Ausnahme der Laurel-Hardy-Filme - nie Überraschungen. Man kann ebenso den Kanon eines Literaturkritikers oder - verlages anführen. In „4 3 2 1“ werden über lange Strecken ziemliche Belanglosigkeiten ausgesprochen gut erzählt.

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