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Leonard Nolens
Bresche

Edition Rugerup
2016
102 Seiten
ISBN-13: 978-3942955539
€ 17,90


Von Hans Durrer am 22.02.2017

  Leonard Nolens wurde 1947 in Flandern geboren und hat über dreissig Gedichtbände veröffentlicht, dazu Tagebücher und Übersetzungen. Dies entnehme ich den Verlagsinformationen.
 
  Ich lese selten Gedichte, habe nie wirklich Zugang zu ihnen gefunden. Unter den wenigen, die mich, das liegt viele Jahre zurück, einmal angesprochen haben, gehörten die von Lawrence Ferlinghetti.
 
  Mit anderen Worten: Leonard Nolens war mir kein Begriff.
 
  Das Buch ist in fünf Teile gegliedert. „Fleisch in Uniform ist vollautomatisch“ ist der erste betitelt und bringt damit unübertrefflich auf den Punkt, was ein Stück Kleidung aus Menschen machen kann. Die Truppe ist auf der Flucht. „Es ist heiss. Wir fliehen vor der Armee her.“ Doch sie „werden von niemandem verfolgt. Das ist das Problem.“ Und so unterschiedlich die Einzelnen sind und auf ihre Situation reagieren, „zusammen bilden wir eine Mannschaft auserlesener Trottel“.
 
  Ich lese „Fleisch in Uniform ist vollautomatisch“ als Parabel, die von unserem Hinein-Geworfen-Sein in die Welt handelt. Wir brauchen keine Uniformen um uns uniform zu verhalten. „Jahrzehnte schon durch Sachzwang, Liebe, Langeweile vereint ...“.
 
  „Keine einzige Frucht hat ihre Blüte gesehen.“ Der Satz stammt von Pascal Quignard und ist „Wir wissen zu Beginn von keinem Beginn“ vorangestellt. Dieses Gedicht ist reich an Einsichten, die mich nicht nur nachdenklich machen, sondern in mir einen freudigen Aha-Effekt auslösen. Ein Beispiel:
 
 „Wie du,
 Genau wie du,
 Genau wie du, der mich liest,
 So wie ich es nicht kann ...“
 
  Und gerade noch eins, weil es genau so schön und clever ist:
 
 „Beginnen,
 Beginnen ist das ewigste Talent.“
 
  Leonard Nolens schreibt leicht und witzig, dann wieder ernst, beissend und aufrüttelnd. Viele seiner Sätze erzeugen starke Bilder in meinem Kopf, gehen in Emotionen über, bleiben mir im Gedächtnis. Hier ein Beispiel aus „Wir waren die Schweigenden nach Mai fünfundvierzig“:
 
 „Wir waren wenige.
 Wir hatten von selbst keinen selbstredenden Inhalt
 Von dir und von mir, wir hielten mit Mühe
 Etwas von uns, wir hielten uns nicht fest
 Wir hielten uns nicht aus.
 Wir hielten uns nicht durch.“
 
  Mit „Es ist ein prächtiges Buch“ ist das letzte Gedicht in diesem Band überschrieben. Einen besseren Titel für ein Schlusskapitel lässt sich nicht so leicht finden.

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