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Marcus Hammerschmitt
Der Opal
(2000)

Argument Verlag
253 Seiten
DM 17,80


Von Alfred Ohswald am 25.10.2000

  Latil macht sich mit einem intelligenten und technisch sehr weit entwickelten Raumschiff zu einem Auftrag zum Opal auf. Der Opal ist eine, ein ganzes Sonnensystem umfassende Luftblase im All. Wie bei vielen anderen menschlichen Völkern im Weltraum, hat sich auch dort eine sehr eigenartige Kultur entwickelt. Das Besondere an den Taan, den Bewohnern des Opal, ist, dass sie die Devolution anstreben.
  Latil soll dort den vor kurzem verschwundenen Machthaber Éliné aufspüren und töten. Ihr überaus aggressiven Wesen wird wegen ihrer wichtigen Aufgabe großteils geduldet. Die ständig auf sie einströmenden Eindrücke und die fremdartige Umwelt und die undurchschaubaren Taan wirbeln ihre Emotionen kräftig durcheinander und trotz ihrer Widerstände bleibt sie meist schlussendlich das Werkzeug der komplexen politischen Intrigen unter den Taan.
 
  Hammerschmitt liefert mit seinem zweiten Science Fiction-Roman eine mindestens ebenso fremdartige Welt, wie in seinem Erstling „Target“. Stilistisch ist aber ein deutlicher Unterschied feststellbar und seine Charaktere sind dieses Mal von völlig anderer Art. In „Der Opal“ dreht sich die Handlung stärker um die Hauptfigur, ihre Erlebnisse und die psychische und physische Reaktion darauf. Oft werd fast zuviel Beschreibungen der fremdartigen Umgebung auf den Leser losgelassen, was aber deren verwirrende Wirkung auf die Hauptfigur atmosphärisch verdeutlicht.
  Einer der wenigen Science Fiction-Autoren im deutschsprachigen Raum, der in diesem Genre in der Oberliga mitschreibt. Obwohl der Roman nicht versucht in allzu hohe literarische Sphären abzuheben, ist er trotzdem keine locker durchzulesende Unterhaltungslektüre. Die Komplexheit liegt aber nicht am Stil, sondern in den Charakteren, der Handlung und am stärksten in der ausführlich ausgearbeiteten fremden Zivilisation, ihrem Lebensraum und ihren Begleiterscheinungen.

Von Patrick Borer am 24.11.2000

  Hm... hm.... jetzt ist es schon einige Tage her, dass ich dieses merkwürdige Buch gelesen habe, und ich schaff's einfach nicht, brauchbar darüber zu schreiben. Ich versuch's mal wieder...
  Nun: es ist faszinierend. Reicht aber wohl nicht als Besprechung...
  Worum geht's? Klappentext: 'Die galaktische Auftragskillerin Latil, vom Leben geprüft und geringfügig psychotisch, hat nur noch eine Chance, bevor sie ihren Körper ganz verkaufen muss - ein Job im Opal...' - dieser Opal ist ein Sonnensystem, dessen Bewohner... aber
 nein, ich finde, das klingt alles so dumm, wenn ich es beschreibe; ist
 es aber durchaus nicht.
  Auf jeden Fall ist Marcus Hammerschmitt mit dem intelligenten, erfinderischen, in seine Passagierin verliebten Raumschiff "Passage englouti" (bzw. "Glaucopsyche", bzw. "Ergriffenes Dasein", bzw...) seine bislang sympathischste Figur gelungen. Er scheint ein
 Faible für sympathische Maschinen zu haben.
  Ein bisschen hat mich das Buch ob seiner Fülle an "Wunderlichkeiten", seines schillernden Universums an die SF-Werke (Die dunkle Seite der Sonne, Strata) von Terry Pratchett erinnert - ohne den humoristischen Aspekt (will sagen: nicht humoristisch, aber durchaus mit Humor, der an einigen Stellen aufblitzt, geschrieben), sozusagen als "düstere Ausgabe". Sicher ist dieses Mal mehr Pratchett als Lem drin. Aber man braucht nicht krampfhaft nach Vergleichen zu suchen; es ist ein eigenständiger, gut geschriebener (achja, ein Detail - die Namen! Sehr schöne Namen hat sich der Autor einfallen lassen) SF-Roman (dessen Ende eine Fortsetzung ermöglicht - die ich sehr gerne läse); wieder einmal zeigt sich, dass Marcus Hammerschmitt einer der lesenswertesten, wenn nicht der lesenswerteste deutsche SF-Autor der Gegenwart ist (generell lese ich deutsche SF nicht besonders gerne).
  "Der Opal" ist im Argument Verlag erschienen, in der Reihe "Ariadne SF - Social Fantasies"; m.W. ist der Verlag mehr oder weniger auf "Frauenliteratur" spezialisiert, bin mir ja nicht sicher, ob diese "Ecke" dem Verkauf des Buches förderlich sein wird...

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