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Connie Palmen
Du sagst es
(Jij zegt het)

Diogenes
2016
Übersetzt von Hanni Ehlers
288 Seiten
ISBN-13: 978-3257069747
€ 22,-


Von Volker Frick am 25.01.2017

  Die Menschen können sagen, was sie wollen über eine tote Person. Die Toten können nicht klagen. Das erste Buch, welches ich von Connie Palmen las, war ihr Debut auf dem deutschsprachigen Buchmarkt: Die Gesetze (1993). Dies ist nun fast ein Vierteljahrhundert her, und da ich nun den jüngsten Roman von Connie Palmen gelesen habe, erlaube ich mir den vielleicht überflüssigen Hinweis auf jene Bücher der Autorin, die in der Zwischenzeit erschienen sind (Die Freundschaft (1998), I.M. (1999), Die Erbschaft (2001), Ganz der Ihre (2004), Idole und ihre Mörder (2005), Luzifer (2008), Logbuch eines unbarmherzigen Jahres (2013)), die ich alle nicht gelesen habe.
  Die Lektüre ist getragen von einer gewissen Ambivalenz, nicht verwunderlich, ist das Sujet dieses Romans doch eines der faszinierendsten Paare der neuzeitlichen Literaturhistorie. Vier Monate nachdem sie sich auf einer Party in Cambridge kennenlernten, heirateten die damals noch unbekannte Dichterin Sylvia Plath und der Dichter Ted Hughes im Jahre 1956. Was danach folgte, die Liebes- und Lebensgeschichte des Paares, als auch die zunehmenden Publikationen und die wachsende Anerkennung dieses Lyrik-Gespanns, mehr noch die Ereignisse nach dem Suizid von Sylvia Plath im Frühjahr 1963, sind Auslöser und Thema des jüngsten Romanes von Connie Palmen.
  Nun sind zu Sylvia Plaths als auch zu Ted Hughes Leben und Werk ungezählte Artikel und Bücher veröffentlicht worden, und so verwundert der Untertitel des Buches von Janet Malcolm mit dem schönen Titel Die schweigende Frau (deutsch 1994) kaum: Die Biographien der Sylvia Plath. Das stoische Schweigen von Ted Hughes, welches er erst acht Monate vor seinem Tod mit der Veröffentlichung des Gedichtbandes der Birthday Letters brach, verwundert nicht. Er wurde kritisiert, als Mörder diffamiert, sein Name aus dem Grabstein von Sylvia Plath-Hughes gekratzt, und 1971 veröffentlichte Al Alvarez, ein gemeinsamer Freund, der Plaths ersten Gedichtband an exponierter Stelle sehr positiv besprochen hatte, The Savage God. A Study of Suicide (deutsch: Der grausame Gott, 1974). Da er in diesem Buch auch Sylvia Plath verhandelt hat Ted Hughes ihm seinerzeit einen bösen Brief geschrieben, und dieser ist die Folie für den ersten Absatz des Buches von Connie Palmen. Es zeigt sich im Ganzen: die Autorin hat tiefe Recherchearbeit geleistet.
  Ob nun Ted Hughes sich selbst als Schamane bezeichnet hat, wie er es in diesem Roman tut, mag dahingestellt sein, treffender ist diesem Autor mit der Figur des Tricksters beizukommen. Doch gemach. Wer den Poeten Ted Hughes schätzt wird dieses Buch zur Kenntnis nehmen. „Du sagst es“ vermag als gut erzählte fiktive biografische Annotation bestenfalls ein Interesse für dieses Dichterpaar erwecken, was gelinde gesprochen, eine nicht unwesentliche Qualität des Buches ist.

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