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Beppo Beyerl
Na Pivo mit Bohumil Hrabal und Jaroslav Hašek
Eine mährisch-böhmische Bierreise

Löcker
2016
187 Seiten
ISBN-13: 978-3854098089
€ 19,80


Von Alemanno Partenopeo am 14.12.2016

  Beppo Beyerl konzentrierte sich bei seiner „Reise zum Bier“ – so der Originaltitel – uaf das klassische südtschechische Bierdreieck Brünn-Budweis-Pilsen, alles Orte, die von Österreich aus relativ leicht zu erreichen sind, aber auch ein paar Ausreißer sind dabei, etwa Altvater (Praded) oder Nymburk an der Elbe. Absichtlich vermied er dabei natürlich Prag, stattdessen verknüpfte er seine Reise mit dem Studium tschechischer Literatur wie etwa Hasek oder Hrabal, die selbst in einigen Wirtshäusern, die Beyerl beschreibt verkehrten. Dass das Bier nicht in Böhmen erfunden wurde, ist eine fast unglaublich erscheinende Tatsache, angesichts der unglaublichen Vielfalt in der Tschechischen Republik, die ja bekanntlich aus Böhmen und Mähren besteht. Aus Broten und Brotresten wurde ein Hefepilz genährt, der eine köstliche Flüssigkeit hinterließ, die mit Strohalmen getrunken wurde, wohl auch um die Treberreste nicht zu inhalieren. Was Sumerern, Assyrern und Babyloniern schon im 4.Jahrtausend vor Christus schmeckte, war den Europäern nur recht: Bier gehörte noch bis ins 18. Jahrhundert zu den keimarmsten Getränken und war somit – im Gegensatz zu Milch oder Wasser - sogar gesund. In Tschechien findet sich die erste Aufzeichnung über das Bier im Jahre 993, in Brevnov, einem Benediktinterstift in der Nähe Prags. Ein gewisser Heiliger Adalbert war dort Vorstand des Klosters und soll seine Mönche ermahnt haben, sich mehr mit ihren Schafen als mit dem Bier zu beschäftigen, wobei Beyerl offen lässt, wer oder was mit den Schafen genau gemeint war. Honi soit qui mal y pense...
 
  Nachdem Beyerl Prag als Haupstadt von Böhmen auslässt, wollen wir uns hier in dieser Rezension der Hauptstadt Mährens widmen, einer Region die allgemein eigentlich für ihren Weinanbau bekannt ist. Aber gerade aus Brünnen kommt das „Altbrünner Bier“, das man in Österreich unter seinem Originalnamen „Starobrno“ kennt, nicht zu verwechseln mit „Staropramen“ (Alte Quelle, ein Prager Bier). In Brünn wird nicht nur ein eigener Dialekt gesprochen, der hantec, der u.a. „bomba“ für Flasche verwendet, sondern auch den wunderschönen Ausdruck „hakl kren“ kennt, auf gut Wienerisch also „Scheißhackn“. Altösterreichisch-kakanisch geht es in Brünn ohnehin zu: das Vestibul der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, dem heutigen Brünner hlavni nadrazi (Hauptbahnhof) gibt den Blick auf die stattlichen Lokomotiven frei, von denen eine aufgrund ihres Vorbaues „Bardotka“ genannt wird. 179 Jahre Eisenbahn in der mährischen Hauptstadt sieht man dem hlavni nadrazi auch heute noch an, im Gegensatz zum benachbarten Hauptpostgebäude. Am Koliste, dem Brünner Ring, haben der Wiener Ringstraßenarchitekt Ludwig Förster und sein Schwiegersohn Theophil Hansen so „etwas ähnliches wie ein mährisches Abbild der Donaumetropole“ errichtet, schreibt Beyerl. Der Autor erinnert auch an Friz Grünbaum, den in Wien für seine mit Karl Farkas berühmt gewordenen Doppelconferancen wohl für immer ein Platz im Himmel reserviert ist. „Poteš Pámbu, pane Grünbaum!“, eine Verballhornung des heute in Mähren und Böhmen kaum üblichen typisch österreichischen „Grüß Gott!“ ist noch in Erinnerung von dem in Brünn geborenen und im KZ ermordeten Fritz Grünbaum.
 
 
  Aber kommen wir endlich zum Bier! Die Brauerei „Pegas“ gilt nach dem U Fleku in Prag als die zweitälteste Hausbrauerei der Tschechischen Republik. Sie gehört zu Brünn ebenso wie die oben genannten und nicht umsonst heißt es im Schankraum: „Jedes Brot ist tragisch. Beim Lauf des Getreides konnte es Bier werden. Aber es ging sich nicht ganz aus.“ Am Ende jeden Kapitels finden sich weitere Einkehrtipps und interessante Informationen. Beyerl hat neben Brünn auch Breclav, Litovel, Hanusovice, Trebon, Znojmo, Ceske Budejovice, Lipnice und die schon oben erwähnten Nymburk und Plzen beschrieben. Am besten mit einem grünen Bier am Gründonnerstag in Brünn den Frühling – Beginn der Biergartensaison – begrüßen! Ein hoffnungsvolles und unvergessliches Erlebnis.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

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