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Papst Franziskus
Lieber Papst Franziskus …
Der Papst antwortet auf Briefe von Kindern aus aller Welt
(Dear Pope Francis)

Kösel-Verlag
2016
Übersetzt von Elisabeth Liebl
72 Seiten
ISBN-13: 978-3466371808
€ 16,99


Von Hans Durrer am 20.11.2016

  Was für eine schöne Idee, Kinder den Papst fragen zu lassen, was sie so auf dem Herzen haben. Denn Kinder haben die Sprache noch nicht zu dem gemacht, wozu sie den Erwachsenen häufig dient – einem Instrument der Verteidigung und des Angriffs, einem Werkzeug des Verbergens und der Irreführung. Kinder hingegen benutzen Sprache so recht eigentlich ausschliesslich als Mittel der Kommunikation, direkt und frei von Hintergedanken.
 
  Wenn sie nun dem Papst ihre Kinder-Fragen stellen (die wir Erwachsenen alle auch haben, doch nicht mehr zu fragen wagen), darf man gespannt sein, wie dieser (der ja auch die Erwachsenensprache beherrscht) darauf antworten wird. Und, wie macht er es? Ganz unterschiedlich, manchmal etwas umständlich „(„Du hast mich gefragt, was ich empfinde ...“), manchmal überraschend („Viele Menschen fürchten sich vor ihrer eigenen Freiheit und der anderer Menschen ... Freiheit macht den Leuten Angst, weil man sie nicht programmieren kann wie einen Computer. Aus eben diesem Grund ist die Freiheit eben Gottes schönstes und grösstes Geschenk an uns.“), gelegentlich korrigierend („Das ist nicht wahr! Es gibt auch heute noch Wunder.“) und auch zugebend, dass er keine Antwort weiss („Ich habe nie begriffen, weshalb Kinder leiden müssen. Das ist und bleibt mir ein Rätsel. Ich habe dafür keine Erklärung.“).
 
  Des Papstes Aufrichtigkeit überzeugt, auch wenn man mit seinen Antworten möglicherweise nicht immer viel anfangen kann. Zugegeben, ich spreche von mir. Von wem auch sonst? So recht eigentlich können wir nur von uns selber und nicht von anderen sprechen – und das ist schon schwierig genug, da unser Bewusstsein sehr beschränkt ist – doch je ehrlicher wir uns mitteilen, desto grösser die Chance herauszufinden, dass auch andere ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
 
  Man erfährt auch Überraschendes. Etwas dass Papst Franziskus im Alter von acht Jahren Metzger werden wollte. Das lag wesentlich daran, dass er immer mit seiner Grossmutter zum Markt gegangen ist, wo es einen Metzger gab, den er mochte. „Er war ein grosser Kerl und hatte eine riesige Schürze mit einer Tasche vorn. Wenn meine Grossmutter bezahlte, steckte er die Finger in die grosse Tasche, die voller Geld war, und gab meiner Oma das Wechselgeld. Ich dachte, er müsse ungeheuer reich sein. Das hat mir ungeheuer imponiert. Ich wollte unbedingt sein wie er. Ich weiss, das ist komisch, aber ich musste Dir das unbedingt erzählen“, schreibt er der achtjährigen Basia aus Polen.
 
  Die Fragen, die die Kinder stellen, sind begleitet von Zeichnungen, die sie gemacht haben. Und Papst Franziskus nimmt in seinen Antworten regelmässig Bezug auf diese Zeichnungen.
 
  Natasha aus Kenia, die ein Mädchen mit einer Krone auf dem Kopf gezeichnet hatte, wollte wissen, wie Jesus übers Wasser gegangen ist. Da ich das selber auch gerne gewusst hätte, war ich gespannt, was Papst Franziskus darauf antworten würde. Und war dann etwas enttäuscht. Und auch erstaunt. Und hatte fast noch mehr Zweifel als zuvor. „Jesus ist ganz normal gegangen ... Er hat einen Fuss vor den anderen gesetzt, als ob das Wasser ganz normaler Boden wäre.“
 
  „Lieber Papst Franziskus“ zeigt in einfachen Worten (und das meint: er zeigt sich in seinen Worten und versteckt sich nicht dahinter), wer er ist, wie er denkt und wie er die christliche Lehre versteht.
 
  „Lieber Papst Franziskus“ ist nicht nur ein Buch für Kinder, sondern für alle, die sich für Glaubensfragen interessieren.

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