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Fjodor Dostojewskij
Der Spieler oder Roulettenburg
(Igrok, 1867)

dtv
2016
Übersetzt von Alexander Nitzberg
227 Seiten
ISBN-13: 978-3423280976
€ 22,-


Von Alfred Ohswald am 21.10.2016

  Eine illustre, internationale Gesellschaft bevölkert die deutsche Kurstadt Roulettenburg, die in erster Linie für ihre Spielcasinos bekannt ist. Auch der „General“, ein russischer Adliger gehört mit seiner Entourage, seinen beiden Kindern, seiner Stieftochter Polina, seinem Schuldner de Grieux, seiner Angebeteten Blanche nebst Mutter und seinem Hauslehrer Aleksej Iwanowitsch dazu. Der General ist hoffnungslos bei de Grieux verschuldet und wartet händeringend auf den Tod seiner reichen Mutter.
  Aleksej, der Held des Romans, ist nicht gerade wohlhabend und von recht launischen Charakter. Nicht nur, dass er Franzosen, Deutsche und insbesondere Polen aufs tiefste verabscheut, er lässt sich von seiner blinden Vernarrtheit in Polina auch zu den dümmsten Albernheiten hinreißen. Eine dieser Albernheiten kostet ihm seine Stellung.
  Als die Mutter des Generals anstelle zu versterben, höchstpersönlich in Roulettenburg auftaucht und plötzlich selbst von der Spielsucht gepackt wird, sorgt sie für Gesprächsstoff, weigert sich aber trotzdem standhaft, dem General aus seiner finanziellen Misere zu helfen.
 
  Der stark autobiographisch gefärbte Roman wirf mit seinem nicht gerade sympathischen Held nicht gerade ein positives Licht auf Dostojewskij während seiner Zeit als Spielsüchtiger. Andererseits ist an dem von ihm als zutiefst unsympathisch dargestellten Franzosen de Grieux bei genauerer Betrachtung nichts negatives festzustellen. Man muss vielleicht ein Russe sein, um es jemand zu verübeln, wenn er zumindest einen Teil seiner verliehenen Geldes zurück zu erhalten wünschte.
  Auch mit der damaligen Neigung zum Nationalismus muss man als Leser von Dostojewskij wohl oder übel leben, obwohl er andererseits nicht annähernd so übel ist, wie etwa der Deutsche Felix Dahn.
  Über Dostojewskijs Stil braucht man nicht weiter eingehen, darüber sind bereits ganze Bibliotheken geschrieben worden. Zu „Der Spieler“ sollte nur angemerkt werden, dass er unter seinen Romanen der wohl temporeichste, am wenigsten ausschweifende ist. Nicht zuletzt wohl auch, weil er wegen eines Knebelvertrages seines Verlegers unter Druck innerhalb von nur 26 (!) Tagen geschrieben wurde.
  Die Neuübersetzung durch Alexander Nitzberg wirkt dazu passend, etwas flapsiger als die früheren Übersetzungen. Er hatte vermutlich weniger lähmenden Respekt vor dem großen Klassiker und näherte sich dadurch mehr dem Original an.

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