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David Pirie
Die Augen der Heather Grace
Aus den dunklen Anfängen von Sherlock Holmes
(The Patient's Eyes)

Lübbe
2014
Übersetzt von Michael Ross
333 Seiten
ISBN-13: 978-3404169740
€ 8,99


Von Andreas Rüdig am 07.10.2016

  Heather Grace ist eine der ersten Patientinnen, die den frischgebackenen Arzt Dr. Arthur Conan Doyle in seiner neuen Praxis an der englischen Südküste aufsucht. Grace wird von einem Phantom heimgesucht.
 Kurze Zeit später muß sich Doyle – zusammen mit seinem Mentor Dr. Joseph Bell – um den Mord an einem reichen spanischen Geschäftsmann kümmern.
  Das Buch wirkt etwas episodenhaft erzählt. Das Kennenlernen von Bell und Doyle, der Mord an dem spanischen Geschäftsmann, die abschließende Episode um Heather Grace – daraus hätten sich jeweils eigenständige Geschichten machen lassen. So sind sie zu einem Roman verwoben, der zwar gut lesbar ist, aber auch so einige Längen aufweist. Die Episode, in der erklärt, wie man kryptische Texte, die nur aus Zahlen bestehen, knacken kann, sei hier als Beispiel genannt.
  Die erinnert ein wenig an das Buch „Die großen Vier“ von Agatha Christie – dieser Kriminalroman ist ja auch aus dem Zusammenfügen von Kurzgeschichten entstanden.
  In seinem Roman greift Pirie selbst viele Episoden aus dem Leben von Doyle auf. Doyle hat in Edinburgh Medizin studiert. Dort trifft er einen Dr. Joseph Bell, der hier als eigenständige Figur auftaucht und offensichtlich ein externer Berater der örtlichen Polizei ist und mit seiner neuartigen Methode der Deduktion hilft, mysteriöse Fälle aufzuklären. Bell ist auch hier offensichtlich das Vorbild für Sherlock Holmes, wobei Doyle selbst die Funktion des Dr. Watson einnimmt. Seine erste Stelle erhält Doyle in Swansea an der englischen Südküste – sowohl im Roman wie auch im wirklichen Leben.
  Selbst die Hinweise auf Freimaurer und den Burenkrieg haben reale Hintergrund. Doyle war Mitglied einer Freimaurerloge; in Südafrika war er als Kriegsberichterstatter eingesetzt.
  Wer sich ein wenig mit der Lebensgeschichte des wirklichen Doyle beschäftigt, wird sich auch ohne Querverweise in dem Buch zurechtfinden. Selbst bei der Herkunft gibt es Gemeinsamkeiten. Nur die Liebesgeschichte zu Heather Grace kann wohl als reine Fiktion gelten.
  Was ist von dem Buch zu halten? Die Bedeutung von Bell erscheint als Übersteigerung, genauso wie die Beschreibung von Doyle`s Ärtzekollegen in Südengland. Diese Überzeichnungen können als literarische Stilmittel durchgehen. Sherlock Holmes können weder Gefühle noch Beziehungen zu einer Frau abgesprochen werden (weitestgehend jedenfalls); in dieser Hinsicht unterscheidet sich der vorliegende Roman.
  Aber egal. Das Buch gefällt und ist gut lesbar. Es ist schon erstaunlich, wie gut man sich an historische Realitäten halten und dennoch etwas völlig Neues erschaffen kann.

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